Kaarst: Die Kunst des Weidenkorbflechtens

VHS-Kursus in Kaarst : Die Kunst des Weidenkorbflechtens

Die VHS bietet einen dreitägigen Kursus an, in dem Kinder das Weidenkorbflechten lernen.

Eigentlich ist es ganz einfach: Ein langer Weidenzweig wird gebogen, bis er einem Fischkörper ähnelt. Dann beginnt man, sorgsam Zweig um Zweig um den Körper zu wickeln. Vorsichtig werden sie erst in die eine und dann in die andere Richtung unter den „Körper“ hin und her geschoben. Der Selbstversuch zeigt: Je länger der Zweig ist, umso schwerer ist das Durchschieben – am Schluss geht es dann ganz leicht und der nächste Zweig folgt.

Nele (13) hilft schon fachmännisch, denn sie hat bereits mehrere Fische für ein Windspiel zum Aufhängen geflochten. Die fertigen baumeln zum Trocknen sacht im Wind an einem Baum vor dem Gelände der Volkshochschule (VHS) Kaarst-Korschenbroich, denn der dreitägige Ferienkurs „Verflixt, verflochten und verdreht“ findet draußen statt. Kursleiterin Betty Odenthal bringt zwölf Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren bei, wie sich aus Weidenzweigen, Sisal und Maisblättern Kunstwerke und Gegenstände für den Alltagsgebrauch herstellen lassen. „Die Zweige bekomme ich von einem Weidenbauern aus Dormagen-Gohr“, erzählt sie. Sie müssen zwei Wochen in Wasser eingeweicht werden, damit sie für die Verarbeitung biegsam genug sind. Für den Kurs hat Betty Odenthal sie in feuchte Tücher gehüllt. Stück für Stück entnehmen die Kinder die Zweige und gestalteten konzentriert ihre Windspiele: „Ich finde das gut“, sagt Lea Sophie (12) und betrachtet den fertigen Fisch, der als krönenden Abschluss noch ein rotes (Holz)Auge bekommt, das sie sorgfältig auf einen Zweig auffädelt.

Doch die Kinder fabrizieren noch mehr: Sie bereiten kleine Körbchen vor, die mit Henkel und Filzeinlage eine echte Transportmöglichkeit darstellen. In der Sonne trocknen niedliche Püppchen aus zuvor eingeweichten Maisblättern. Sie haben weit ausgestreckte Arme und Beine und ein hübsches aufgemaltes Gesicht. An einem Baum hängen viele, zum Teil bunte Schnüre: „Sie haben die Kinder aus Sisal gedreht, aber das war nicht so der Renner“, sagt Betty Odenthal. Die Schnüre werden später in die Körbchen eingeflochten. Nele zeigt „Zeitungsröllchen“: Das sind Schaschlikspieße, die mit bunten Zeitungsresten umwickelt wurden. Sie werden ebenfalls für die Körbchen Verwendung finden.

Betty Odenthal hat das Weidenkorbflechten selbst vor Jahren bei der VHS gelernt und freut sich nun, das Ganze an die Kinder weitergeben zu können. Diese sind durchweg begeistert. Nisa (9) freut sich schon auf das Korbflechten: „Alles andere ist doch für Anfänger“, meint sie schmunzelnd. Der Kurs wird durch das Projekt Kulturrucksack des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.