Kaarst: Die Kleinkunst-Saison im Georg-Büchner-Gymnasium ist gestartet

Martin Zingsheim erster Kleinkünstler im GBG : Ab jetzt gibt es Kleinkunst in Vorst

Rund zwölf Monate müssen die Zuschauer nun ins Vorster Gymnasium kommen, um dort Kabarett und Konzerte zu sehen. Die Premiere mit Martin Zingsheim in einer „aufpolierten“ Aula stellte alle zufrieden.

Es ist länger als erwartet im Forum des Georg-Büchner-Gymnasiums gearbeitet worden, aber am Samstag war es dann soweit: Martin Zingsheim war der erste Kleinkünstler, der in der Aula der Vorster Schule anstatt im Albert-Einstein-Forum auftrat. Die Resonanz der Zuschauer auf die neue „Übergangsspielstätte“ fiel durchweg positiv aus: „Das ist aber schön hier“, lautete eine spontane Bewertung, die immer wieder zu hören war.

Kulturmanager Dieter Güsgen ist auch aus einem anderen Grund erleichtert: „Keiner der Akteure hat abgelehnt, in dieser kleineren Aula mit ihren 430 Plätzen aufzutreten.“ Und die Besucher halten ihm ebenfalls die Treue: „Wir sind für dieses Jahr bereits zu mehr als 80 Prozent ausverkauft.“ Damit steht fest, dass alle Bedenken grundlos waren. Alles neu macht der Mai, lautet ein Sprichwort, das einem spontan beim Betreten der Aula einfällt. Dabei ist beispielsweise der graue Teppichboden nur gereinigt, der Parkettboden nur abgeschliffen worden. Aber es sind unzählige Eimer mit weißer Farbe verarbeitet worden, was den Raum heller, freundlicher macht.

Viele andere Verbesserungen sind dagegen nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie zum Beispiel die neue Klimaanlage. Wichtig ist natürlich auch der gute Ton. Und auch dort gab es nichts zu kritisieren. Milan Meier von der Firma Contour aus Bergisch Gladbach ging während der Aufführung in der Aula hin und her, um seinen beiden Kollegen Hinweise geben zu können, wo nachgeregelt werden müsse. Die Soundprofis hatten das Equipment im Kaarster Schulforum demontiert, durchgecheckt und in Vorst dann wieder montiert. „Hier ist akustisch einiges gemacht worden“, lobte Milan Meier – er meinte unter anderem die Decke mit den vielen Löchern, die unter Fachleuten „poröser Absorber“ heißt.

In die Beleuchtung habe man aufgrund der relativ niedrigen Deckenhöhe einiges an Gehirnschmalz investieren müssen. Mit Erfolg: Martin Zingsheim war immer bestens in Szene gesetzt. Er passte übrigens gut in die runderneuerte Vorster Aula. Auf der Bühne, die einige Meter nach vorne erweitert wurde – diese Erweiterung bleibt in den nächsten zwölf Monaten bis zum Umzug nach Kaarst bestehen – lieferte er eine gute Leistung ab. Der dreifache Vater aus Köln wirkte wie von allem Babyspeck befreit. Und er lieferte auch eine reife Leistung ab mit seinem Programm „Aber bitte mit ohne“, das 320 Kleinkunstfreunde sehen wollten in einer Aula, in der noch Platz für weitere 100 Zuschauer gewesen wäre.

„Haben Sie auch halbe Weizen? Gut, dann nehme ich zwei“: Zingsheim deckte Paradoxien aus dem Alltag auf: So war ihm aufgefallen, dass Salafisten nicht am Leben hängen: „Ich habe noch nie einen gesehen, der einen Fahrradhelm trug.“ Und er hinterfragte seinen Job kritisch: „Es ist schon originell, abends Leute zuzutexten, die man gar nicht kennt.“ Kritisch bis hämisch äußerte er sich über alles, was ihm nicht behagt, wie zum Beispiel die Kirche oder den Karneval – die „Fünfte Jahreszeit“ ist für ihn die Zeit, wo ein betrunkener Mann und eine betrunkene fremde Frau hinter dem Tresen gemeinsam umfallen: „Das nennt man dann Brauchtum und das wird Weltkulturerbe.“ Zingsheim hatte originelle Einfälle. Einer davon: „Kloster-Kabarett – zwei Stunden nichts sagen.“

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