Kaarst: Die Flüchtlingshilfe heißt jetzt „Kaarster helfen…MitMenschen“

Soziales Engagement in Kaarst : Die Flüchtlingshilfe geht neue Wege

Die Initiative hat neue Pläne entwickelt, sich für die Gemeinschaft im Großraum Kaarst einzusetzen – durch erweiterte Kooperationen mit Firmen, Vereinen, der Stadtverwaltung, Sportvereinen, sozialen Einrichtungen und Co.

„Aus Raider wird Twix – sonst ändert sich nix“: An diese Werbebotschaft erinnert die Flüchtlingshilfe Kaarst, die am 2. Dezember 2015 gegründet worden war. Sie gab sich jetzt einen neuen Namen: „Kaarster helfen…MitMenschen“, wobei und Bürger aus allen Stadtteilen gemeint sind. Im Gegensatz zu den Schokoriegeln ändert sich aber schon etwas: Der umbenannte Verein wird sich künftig für alle Menschen in Not einsetzen. „Vorrang haben aber in jedem Fall staatliche Hilfen“, erklärte die Vorsitzende Uschi Baum.

In den Räumen der Sparkasse wurde die Umbenennung am Donnerstagabend gefeiert – und ein wenig feierten sich die Mitglieder auch selbst. Da wurden Sticker für jeden und Urkunden für einige Mitglieder überreicht. Einer davon war Horst Wolf. Der rüstige 84-Jährige gab folgendes zu verstehen: „Was gibt es Schöneres, als anderen zu helfen, wenn man Zeit hat und gesund ist?“

Uschi Baum lobte ihre Mitstreiter: „Jeder von euch hat dazu beigetragen, dass wir in den vergangenen vier Jahren eine Wahnsinnsarbeit geleistet haben – dafür gab’s Applaus. „Wir als Menschen sind soziale Wesen und investieren in soziale Projekte“, erklärte Sparkassenvorstand Volker Gärtner als Gastgeber.

Der Geschäftsführer des Vereins, Leo Erdtmann, sprach gar von einem „historischen Augenblick“. Und er nannte den Grund der Umbenennung: „Wir haben viereinhalb Jahre so gut gearbeitet. Mit der Konsequenz, dass wir zuletzt immer weniger zu tun hatten.“

Das Zitat des römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar „Ich kam, ich sah, ich siegte“ modifizierte er in Bezug auf die Arbeit des Vereins: „Wir kamen, wir sahen, wo die Probleme waren und wir siegten in vielerlei Hinsicht.“

Gekämpft worden war vor allem auf dem Schlachtfeld der Bürokratie. Die Vorsitzende des Sozialausschusses, Anneli Palmen, bezeichnete Uschi Baum als eine „Netzwerkerin vor dem Herren“. Und sie erklärte, dass auch die Fahrrad-AG, in der ihr Ehemann Herbert aktiv ist, breiter aufgestellte werde – künftig werden für alle Bedürftige, also auch Menschen ohne Fluchthintergrund, unterstützt. Uschi Baum lobte rückblickend die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Sozialdezernent.

Sebastian Semmler: „Insgesamt sind seit 2015 knapp 900 Flüchtlinge nach Kaarst gekommen, davon sind derzeit rund 600 in der Betreuung, 150 von ihnen haben eine Duldung, 150 befinden sich im laufenden Verfahren und rund 300 haben eine Aufenthaltserlaubnis.“ Und es wurden auch Menschen vorgestellt, Flüchtlinge, die hier Fuß gefasst haben. Egal, ob in der Altenpflege oder sonstwo.

Aiham Mahzia kann jetzt in seinem Beruf als Arzt arbeiten. Uschi Baum kündigte an, dass es auch in diesem Jahr wieder den „Weihnachtsschuhkarton“ geben werde – im ersten Jahr nach der großen Flüchtlingswelle waren 800 dieser Pakete gepackt worden. Baum kritisierte die Abschiebungspraxis hart: „In Kaarst ist eine Frau aus Eritrea mit ihren zwei kleinen Kindern um 6 Uhr morgens abgeholt worden.“ Ihre Kritik: „Straftäter bleiben und Familien werden als leichtes Ziel angesehen und abgeschoben.“ Und sie erklärte folgendes: „Es gibt auch Flüchtlinge, die sich nicht integrieren, die Ärger machen, kriminell werden – die würde ich gerne wieder loswerden.“

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