Kaarst: Die Anti-Steinwüsten der Stadt

Blühende Gärten in Kaarst : Die Anti-Steinwüsten der Stadt Kaarst

Zuletzt wurde immer öfter über die Steinwüsten gemeckert. Es gibt in Kaarst aber auch Vorgärten, in denen viel blüht.

Ellen Bahrs blickt mit strahlenden Augen auf ihren Vorgarten. Der Lavendel blüht, die Rosen stehen in voller Pracht. „Es ist für mich eine Lebenseinstellung, etwas für die Natur zu tun. Wir haben Kinder und Enkelkinder, an die müssen wir auch denken“, sagt Bahrs. Die Wildbienen fühlen sich im Lavendel besonders wohl, er ist voll davon. „Sie müssten mal im August vorbeikommen, wenn alles blüht. Das ist ein tolles Bild“, schwärmt Bahrs.

Damit reagiert Ellen Bahrs indirekt auf die Kritik der Grünen, die bereits Ende Februar bemängelt haben, dass es in der Stadt zu viele Steinwüsten gibt. „Bienen, Insekten und andere Kleintiere verlieren immer mehr Lebensräume in unserer Stadt und die Artenvielfalt schrumpft immer weiter“, hatten die Grünen damals geschrieben. Die SPD unterstützte diese Meinung. Mittlerweile ändert sich das Stadtbild ein wenig. Nicht nur bei den Bahrs, sondern in vielen anderen Vorgärten im Stadtgebiet blühen derzeit die Blumen, viele Bürger wollen vor allem Lebensraum für Bienen schaffen. Dazu gehören auch „Insektenhotels“, in die Bienen, aber auch andere Insekten einziehen können.

Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) spricht sich für blühende Vorgärten aus. „Schon seit Jahren bietet der Nabu Kaarst  immer wieder Saatgut für Blühmischungen an. Auf diese Weise versuchen wir, die Gartenbesitzer zur Einrichtung von Blühinseln zu animieren“, schreibt der Nabu-Ortsverband Kaarst. Mehr denn je seien die Gärten für die Vielfalt an Schmetterlingen, Bienen, Hummeln oder Vögeln und Fledermäusen zu überlebenswichtigen Rückzugsorten geworden. „Warten wir nicht, bis auch die Politik in Brüssel und Berlin die Zeichen der Zeit erkannt hat und entsprechend handelt, sondern fangen wir im Kleinen an, ist die Devise vor Ort“, schreibt der Nabu weiter. Auch in der freien Landschaft würde der Nabu  gerne mehr in diese Richtung arbeiten und hat mit drei Kaarster Höfen Projekte umgesetzt.  Ein weiteres  wurde kurz vor seiner Realisierung zunichte gemacht, weil blühende Ackerrandstreifen als „Unkraut“ angesehen wurden.

Die Familie Bahrs aus Kaarst ist mit einem blühenden Vorgarten ebenfalls ein gutes Beispiel, dass nicht überall Steinwüsten gebraucht werden. Foto: Stephan Seeger

Für alle Bürger, die immer noch eine Steinwüste vor der Haustür haben, hat Ellen Bahrs einen Lesetipp: „Ich habe zuletzt das Buch ‚Die Geschichte der Bienen’ gelesen. Es hat mir gezeigt, dass wir mit unserem blühenden Vorgarten alles richtig machen“, sagt Bahrs.