Kaarst: Der verschollene Integrationsrat

Kaarster nicht mehr zu erreichen: Der verschollene Integrationsrat

Der Integrationsrat der Stadt besteht nur noch aus einem Mitglied. Dieses ist aber nicht zu erreichen.

Es war einmal ein Integrationsrat der Stadt Kaarst, der nach einem engagierten Wahlkampf im September 2015 erstmalig mit vier gewählten und drei von der Stadt bestellten Mitgliedern die politische Landschaft gestalten wollte. Ein Märchen wurde wahr – doch der Traum von gelungener Integrationsarbeit zerplatzte nach nur gut zwei Jahren im Oktober 2017: Die drei gewählten Mitglieder der „Internationalen Brücke für Kaarst“ sahen sich in ihrer Arbeit behindert und traten zurück. Auch die Nachrücker zeigten kein Interesse. Übrig blieb nur Niels Rentergent, der bei der Wahl 2015 als Einzelbewerber angetreten war und die Funktion des stellvertretender Vorsitzenden des Integrationsrates innehatte.

Und so ist es bis heute geblieben. Auf der Homepage der Stadt finden sich seine Mail-Adresse und Handynummer – über beide Kontaktmöglichkeiten ist Niels Rentergent aber nicht zu erreichen. Die Mail-Adresse ist ungültig, Anrufe werden nicht entgegengenommen. „Wir kommunizieren nur postalisch mit ihm, um offizielle Post zuzustellen“, erklärt Stadtsprecher Peter Böttner auf Nachfrage. Auch im Sozialausschuss sei er seit vergangenen Sommer nicht mehr gesehen worden, berichtet Gerd Eisenach, Abteilungsleiter Soziales und Senioren. Dabei verfügt Niels Rentergent auch bei einer „One-man-show“, zu der der Integrationsrat nun geworden ist, über volle Handlungs- und Beschlussfähigkeit. „Formal gibt es den Integrationsrat weiter, auch wenn er nur aus einer Person besteht“, so die übereinstimmende Auskunft von Böttner und Eisenach. Denn die Rechtslage sei hier eindeutig: Als gewähltes Mitglied bleibe der Status von Niels Rentergent unangetastet. Der Integrationsrat steht als beratendes Gremium der Stadt zur Seite, kann Anträge und Tagesordnungspunkte an den Rat weitergeben und Beschlussempfehlungen aussprechen. „Leider hat der Integrationsrat in der Vergangenheit nicht eine einzige politische Empfehlung gegeben“, bedauert Böttner. Er habe sich nur mit sich selbst beschäftigt.

Auch Niels Rentergent nutzt seine Möglichkeiten offenbar nicht. „Wenn er nicht zurücktritt, besteht sein Mandat offiziell bis zum Ende der Legislaturperiode im Oktober 2020“, weiß Gerd Eisenach. Für die dann stattfindende Kommunalwahl müsste der Integrationsrat neu eingerichtet werden – mindestens 200 Unterschriften sind dafür notwendig. Und natürlich Menschen, die sich wählen lassen. Der Integrationsrat dient dazu, nicht nur Migranten, sondern allen Alt- und Neubürgern das Zusammenleben zu erleichtern. Soweit die Theorie. Die Praxis lässt zu wünschen übrig. Ein neuer Versuch lohnt.

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