Kaarst: Brefmarken sammeln ist ihre Leidenschaft

Regelmäßige Treffen in Kaarst : Briefmarken sammeln ist ihre Leidenschaft

Zweimal im Monat werden im Bischofshof Briefmarken getauscht. Doch das Hobby ist im Sinkflug.

Sigrid Spenrath (71) hatte das Virus mit 13 Jahren erwischt, Rolf Missal (69) sammelt seit seiner Jugend Briefmarken. Beide wissen, dass ihr Hobby auf dem absteigenden Ast ist: „Der Wert der Sammlungen sinkt kontinuierlich, und hinzu kommt, dass immer weniger Briefe verschickt werden“, weiß Sigrid Spenrath. Trotzdem treffen sich die Briefmarkenfreunde Kaarst e.V. immer noch jeden zweiten Dienstag im Monat im Bischofshof. Und es herrscht keineswegs Weltuntergangsstimmung.

Man erkennt sie an den voluminösen Aktenkoffern, kann sie von den anderen Gästen auf Anhieb unterscheiden. Der Inhalt: Briefmarkenalben, Briefmarkenkataloge, vornehmlich der Klassiker „Michel“, eine Lupe, eine Pinzette. „Neulich ist eine Briefmarke für 250.000 Euro versteigert worden“: Michael Aßmann (74) erzählt von einer raren Kostbarkeit, die in den 1920er Jahren im Saargebiet gedruckt, aber nie in den Verkauf gekommen ist. Er und seine Mitstreiter wissen aber, dass sich keine dieser raren Kostbarkeiten in einem ihrer Alben versteckt hat. Nichtsdestotrotz kommt ein blühender Handel zustande. Nach einer Stunde sollte Sigrid Spenrath einen Teil ihrer Lücken in ihrer Sammlung geschlossen haben. Von Klaus Föcker und Klaus Korn hat sie die DDR-Blöcke gekauft, die ihr gefehlt haben. Rolf Missal nimmt derweil die Heimkehrer-Post von Klaus Dorn (86) unter die Lupe. Mit dabei: Notopfermarken für zwei Pfennige als Zwangsspende nach dem Krieg. Was spätestens jetzt deutlich wird: Briefmarkensammlungen lassen die Geschichte lebendig werden. Dann wird es spannend: Ein ältere Damen kommt hinzu, die hier noch niemand jemals gesehen hat. Sie hat ein Briefmarkenalbum unter dem Arm. Rolf Missal informiert die Briefmarkenfreunde, was es mit dem Blitzbesuch auf sich hatte: „Es handelt sich um Marken aus einer Haushaltsauflösung. Leider musste ich der Frau erklären, dass die Sammlung wertlos ist, weil die Marken in das Album eingeklebt wurden.“

So viel Dilettantismus löst Kopfschütteln aus, es fällt der Begriff „Todesurteil“. Peter Köhler (79) erinnert an alte Zeiten: „Ich sammele seit 70 Jahren Briefmarken und kann mich noch daran erinnern, dass ich mich in die Schlange vor dem Siegburger Postamt eingereiht habe, wenn eine neue Marke erschienen ist.“ Die Begeisterung für dieses Hobby ist ihm während der zurückliegenden sieben Jahrzehnten nie abhanden gekommen.

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