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Kaarst: Bemalte Steine sind begehrtes Diebesgut

„Steinraupe“ in Kaarst : Bemalte Steine werden zum Diebesgut

Die „Steinraupe“ vor dem Rathaus wird täglich kleiner, weil Menschen die bemalten Schätze mitnehmen. Inzwischen werden sie sogar auf Ebay angeboten. Das ärgert die Initiatoren der Facebook-Gruppe „Kaarster Steine“.

Der Hype um die bemalten, versteckten und wiedergefundenen Steine im Kaarster Stadtgebiet ist zwar nicht mehr so groß wie noch zu Beginn der Corona-Krise, dennoch posten in der Facebook-Gruppe „Kaarster Steine“ immer noch fleißig Nutzer Fotos von ihren bemalten kleinen Kunstwerken. Und sie werden immer kreativer, vergleicht man die bemalten Steine von vor ein paar Wochen mit denen von heute. Sogar Steine der Fußball-Bundesligisten sind bereits im Stadtgebiet versteckt worden, zum ausgefallenen Kaarster Schützenfest wurden auf viele Steine der Slogan „Wo wir sind, ist Heimat“ geschrieben.

Es gibt sogar Künstler, die ihre bemalten Steine gar nicht auslegen – und das aus gutem Grund. Denn seit einiger Zeit wird in der Gruppe immer wieder berichtet, dass diverse „Steinraupen“, also mehrere Steine, die aneinander gelegt wurden, auseinandergerissen wurden. So auch am Rathaus, obwohl dort extra ein Schild darauf aufmerksam macht, dass die Steine bitteschön dort liegen bleiben.

Für Susanne Röttgen, die die Facebook-Gruppe „Kaarster Steine“ gegründet hat, ist das eine Schande. „Mir geht das Herz auf, wenn ich so glückliche Kinderaugen sehe. Und dann gibt es diese Menschen, die genau das mit ihrer Habgier kaputt machen“, sagt sie. „Jedes Kind und jeder Erwachsene freuen sich, wenn sie ihren bemalten Stein hier in der Gruppe sehen.“ Es gibt nach Aussage von Röttgen drei bekannte Kandidaten, die im Stadtgebiet die Steine einfach so mitnehmen. Verboten sei das natürlich nicht, aber wenn die verschwundenen Steine später dann bei Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten würden, sei das schon mehr als frech. „Rund 30 unserer Steine wurden schon auf dieser Plattform angeboten“, sagt Röttgen. Ein Mann mit seinem Sohn fahre oft durch den Stadtpark und sammele die Steine ein. Röttgen vermutet, dass die beiden bereits mehr als 200 Steine eingesackt haben. „Das ist traurig, weil wir kaum Steine wieder sehen und deshalb auch schon einige die Gruppe verlassen haben“, so Röttgen.

Alle, die Spaß an dieser Aktion haben, werden immer wieder durch die „Räuber“ enttäuscht. Dabei sollen die Steine die Menschen in diesen schwierigen Corona-Zeiten glücklich machen und ihnen ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern. „Viele Erwachsene haben verlernt, sich an solchen Kleinigkeiten zu erfreuen. Röttgen weiß auch nicht, was sie gegen die Räuber machen kann, ihr und ihren Mitstreitern sind die Hände gebunden, weil es nunmal nicht strafbar ist, Steine von der Straße mitzunehmen. Doch wenn Sammler so etwas sehen, sollten sie die Menschen ansprechen, die sich an den bemalten Schätzen vergreifen, meint Röttgen.