Kaarst: Bei Claudia Steding spielen Kleidergrößen keine Rolle

Kaarster Schneiderin Claudia Steding: Wenn Kleidergrößen keine Rolle spielen

Claudia Steding bietet in Kaarst Maßkonfektionen an. Mit der Resonanz ist die Schneiderin zufrieden.

Falls Claudia Steding samstags eingeladen ist und nicht weiß, was sie anziehen soll, könnte sie sich freitags noch schnell ein Unikat auf den Leib schneidern. Ein Traum für jede Frau – für die gelernte Damen- und Herrenschneidemeisterin Realität. In ihren Räumen „Am Dreieck“ bietet sie seit Mai Maßkonfektion an. Musterbücher zeigen Proben exklusiver italienischer und spanischer Stoffe. Im lichtdurchfluteten Verkaufsraum hängt nur an einer Wand eine vorgefertigte so genannte „Schlupfkollektion“ klassischer Businesskleidung mit dunkelblauen Röcken und Oberteilen, die individuell angepasst werden können. Ausgewählte Einzelstücke sind daneben drapiert – so ein kuscheliges „Sofakleid“ für den Winter, dessen Brustbereich einen Abdruck der sixtinischen Kapelle ziert. Alle anderen Kleidungsstücke verlassen ja das Geschäft.

Claudia Steding empfängt den Besucher im klassischen schwarzen Hosenrock mit passender Jacke und Bluse – natürlich alles selbst genäht. „Das ist schon zwanzig Jahre alt“, sagt sie und lacht. Sie näht, seit sie die Nähmaschine ihrer Oma erreichen konnte – das wird mit vier oder fünf Jahren der Fall gewesen sein, meint sie. Doch nach dem Abitur wollte sie zunächst Design studieren und hatte mit Nähen eigentlich gar nichts mehr am Hut. Schließlich entschied sie sich doch für die Schneiderausbildung und machte sich nach der Gesellenzeit 13 Jahre in Bonn mit einem Atelier selbstständig. Im Zuge einer Wirtschaftskrise wechselte sie an diverse Theater- und Opernhäuser, unter anderem als Gewandmeisterin am hessischen Staatstheater. Besonders gerne denkt sie an eine Produktion des „Don Giovanni“ zurück, deren Ausstattung ihr große Freude bereitete. Zudem erfolgte 2007 die öffentliche Bestellung zur Sachverständigen an der Handwerkskammer Düsseldorf.

Nun hat sie wieder den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Mit der Resonanz bin ich zufrieden“, sagt sie. Zwei Mitarbeiterinnen unterstützen Steding, die auch ins Haus kommt. Größen spielen bei ihr übrigens keine Rolle, denn Steding kreiert unterschiedliche Teile für unterschiedliche Menschen. In ihrer Freizeit vergisst sie sofort Nadel und Faden, treibt viel Sport und spielt Klavier.

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