Fotograf zeigt Werke in Oberberg-Fachklinik in Kaarst Schicksal von Johannes Schwelm macht Patienten Mut

Kaarst · In der Oberberg-Fachklinik in Kaarst stellt Fotograf Johannes Schwelm seine Bilder aus Neuss aus. Die Geschichte von Schwelm, der selbst drei Jahre lang in einer Psychiatrie war, soll den Patienten Mut machen.

Klinik-Leiter Christian Lange-Asschenfeldt (l.) mit dem Neusser Johannes Schwelm. Dessen Ausstellung in der Oberberg-Fachklinik ist noch bis zum kommenden Jahr zu sehen.

Klinik-Leiter Christian Lange-Asschenfeldt (l.) mit dem Neusser Johannes Schwelm. Dessen Ausstellung in der Oberberg-Fachklinik ist noch bis zum kommenden Jahr zu sehen.

Foto: Melanie Zanin/Melanie Zanin(MZ)

Der Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kann lange dauern. Lange dauert auch die Ausstellung, die jetzt in der Oberberg-Klinik eröffnet wurde: Die Fotoausstellung von Johannes Schwelm, zu der es auch ein Buch gibt, geht auf jeden Fall bis nächstes Jahr – Genaueres steht noch nicht fest. Es ist die zweite Ausstellung in der Klinik. Sie wurde dort errichtet, wo früher das Ikea-Auslieferungslager war.

Die Vernissage war sehr gut besucht. Klinikleiter Christian Lange-Asschenfeldt hätte sich keinen besseren Künstler als Johannes Schwelm wünschen können: Er stammt aus Kaarst, lebt aber seit Jahrzehnten in Neuss. Und er war als junger Mann drei Jahre in der Psychiatrie. Seine Krankheitsgeschichte ist eine Geschichte mit einem Happy End, die Menschen mit psychischen Problemen Mut und Zuversicht geben kann. Schwelm hat humorgetränkte Bücher geschrieben wie „Neuss ist schöner wie Paris“ oder „Meine 100 schlimmsten Auftritte“. Er ist Diplom-Pädagoge und hatte in der „Alten Post“ seine ersten Gehversuche als Künstler unternommen.

„Das Innere des Äußeren“, heißt die Fotoausstellung. Schwelm, der auch Genesungsbetreuer ist, hat die richtigen „Antennen“ für das Wesentliche, für das, was sich nicht in den Vordergrund drängelt. Die Shell-Tankstelle im Barbaraviertel ist beleuchtet wie das Quirinusmünster. Wenn es dunkel ist wie auf dem Foto, wird die Tanke zu einem Hotspot. Zwei alte Kräne im Hafen erinnern an zwei Ritter, die sich Rücken an Rücken gegenüberstehen. Das Morbide hat gute Chancen, zum Fotomotiv für Johannes Schwelm zu werden. Mit seinen Fotos prangert Schwelm auch die Lieblosigkeit an, die durch Gebäude schonungslos offengelegt wird: Ein komplett verklinkerter Häusergiebel mit einer vollständig gepflasterten Garageneinfahrt, alles ohne Grün. Nur ein mächtiger Schatten scheint die Sterilität zu stören. Ein Haus, vermutlich aus den frühen 1960er Jahren, wirkt abweisend: Die Jalousie im Wohnzimmer ist heruntergelassen, die kleineren Fenster sind durch Gitter undurchdringbar.

Und doch gibt es ein Kontrastprogramm. Johannes Schwelm hat sie gefunden und in seine Ausstellung aufgenommen: Stellen in Neuss, die sich die Natur erobert hat und die fast an einen kleinen Urwald erinnern – sie sind das Gegenstück zu den zugepflasterten Wohngegenden und erinnern an die Everglades, sind ein Paradies für Wasservögel und zum Greifen nah. Grün muss nicht immer gut sein: Schwelm beklagt mit seinen Arbeiten die Monokulturen in der Landwirtschaft. Die Ausstellung sorgt auch dafür, dass die Klinik bekannter wird. Dass sie noch nicht ausgelastet ist, hat auch damit zu tun, dass es noch an Personal mangelt, an Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten.

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