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Kaarst: 90-Jährige näht 100 "Community-Masken"

Coronavirus in Kaarst : 90-Jährige näht 100 „Community-Masken“

Immer mehr Menschen in Kaarst tragen einen Mund-Nasen-Schutz, um die Gefahr zu verringern, andere Menschen anzustecken.

Noch vor einigen Wochen waren sie vereinzelt zu sehen, mittlerweile tragen sie viele Kaarster: sogenannte Community-Masken, die über den Mund und die Nase getragen werden, um das Risiko zu verringern, andere Menschen durch Husten, Niesen oder einfach nur Sprechen anzustecken. Lange hatte das Robert-Koch-Institut nur Menschen mit Atemwegserkrankungen dazu geraten, in der Öffentlichkeit eine solche Maske zu tragen, Anfang April aber gab es auch bei den Experten ein Umdenken. Laut RKI können die „Behelfsmasken“ nicht nur eine Schutzwirkung haben, sie seien vor allem aber psychologisch eine Hilfe für die Menschen. Getreu dem Motto: Seht her, ich schütze mich und euch!

Da echte Schutzmasken allerdings sehr rar sind, gibt es mittlerweile in Kaarst viele Menschen, die selbst zur Nähmaschine greifen. So wie Diana Jimenez de Becker, die kürzlich ihren 90. Geburtstag feierte. „Sie hat mich bei meinem Besuch gefragt, ob sie irgendwie helfen könnte“, erinnert sich Uschi Baum daran, wie sie in ihrer Funktion als stellvertretende Bürgermeisterin Jimenez de Becker einen Geburtstagsbesuch abstattete. Baum nahm die Hilfe der Seniorin in Anspruch, sie begann zu nähen und bis jetzt sind mehr als 100 sogenannte Community-Masken entstanden. Weitere 100 Masken stammen von Kaled Alkhshen, der 2015 als Flüchtling aus Syrien nach Kaarst gekommen war. In seiner Heimat hatte er eine große Bekleidungsfirma und das Handwerk Nähen gelernt, also setzte er sich kurzerhand an seine Nähmaschine und legte los. Binnen vier Tagen hat auch er 100 Masken genäht. „In Sachen Solidarität sind wir in Kaarst sehr gut aufgestellt“, sagt Baum. Auch Maßschneiderin Astrid Werle, Inhaberin der Düsseldorfer Boutique „Nadel-Streifen“, war sofort dabei. Die Expertin erklärt, dass der Stoff der selbst genähten Masken zu 100 Prozent aus Baumwolle bestehen muss und die Masken bei 90 Grad gewaschen werden sollen. Wie gut das Netzwerk in Kaarst funktioniert, zeigt die Zusammenarbeit zwischen dem Verein „Kaarster Helfen“ und den Bürgern. Stefan Hügen spendete Stoffe, von der Katholischen Frauen-Gemeinschaft (kfd) erklärten sich Christa Gramlich, Rita Schlüter, Edith Stelzer und Brigitte Weeger ebenfalls bereit, Masken zu nähen.

Kaled Alkhshen hat das Nähen in Syrien gelernt. Foto: Alksen

Die „Community-Masken“ werden an Kaarster Praxen verteilt, die sie an ihre Patienten weitergeben. Denn diejenigen, die selbst in den Heilberufen arbeiten, brauchen eigentlich eine richtige FFP2-Schutzmaske mit eingebautem Filter. „Wir sollten die richtigen Masken den Menschen in Heilberufen lassen. Für uns Normalsterbliche reichen erst einmal die selbst genähten“, sagt Baum. Sie rät den Menschen, die Masken vor allem an neuralgischen Punkten zu tragen: Supermärkte, Baumärkte, Öffentliche Verkehrsmittel. „Auf dem Feld braucht man keine Maske“, sagt Baum. Insgesamt wurden bislang rund 300 Masken gesammelt – Tendenz steigend. Doch die „Ressourcen“ für weitere Masken werden knapp. „Wir brauchen Gummibänder und Heftlaschen“, sagt Baum. Spenden werden im „Hauptquartier“ im Kunstcafé Einblick (Alte Heerstraße) gesammelt. In der Kaarster Bevölkerung werden die Maskenträger mittlerweile akzeptiert. „Vielleicht denken einige Menschen jetzt darüber nach, ob sie nicht auch eine solche Maske tragen sollen“, hofft Uschi Baum.

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