Kaarst: Jungen lernen Windeln wechseln

Kaarst : Jungen lernen Windeln wechseln

Männliche Babysitter sind gefragt, denn es gibt fast keine. An einem Kursus des Familienzentrums St. Aldegundis nahmen jetzt sieben Jungen teil. Das Erzbistum Köln fördert Männer in Erziehungsberufen.

Noch liegen die Babys steif da und machen in die Windel. Aber bald wird es ernst. Dann kann es auch vorkommen, dass die süßen Kleinen anfangen zu schreien, vom Wickeltisch fallen oder nicht einschlafen wollen. Dann müssen die Babysitter vorbereitet sein und genau das üben sie heute.

Birgit Ogger (45) zeigt ihnen, worauf sie zu achten haben. Die Sozialpädagogin und dreifache Mutter bietet beim Edith-Stein-Forum Kurse für Babysitter an und stellt ihnen zum Schluss einen Babysitterführerschein aus. Vorher erklärt und zeigt Ogger, wie man ein Baby halten füttern und wickeln muss, warum es sich wie verhält und wie man altersgerecht mit dem Kleinen spielt oder ihm vorliest. An diesem Nachmittag ist sie zum katholischen Familienzentrum St. Aldegundis gekommen. Das Besondere: Am Kursus nehmen sieben Jungen und nur ein Mädchen teil.

"Normalerweise hat man schon mal einen Jungen dazwischen", sagte Ogger. "Sieben hatte ich noch nie". Genauso wie Christa Sieverdingbeck, Leiterin des Familienzentrums St. Aldegundis, freut sie sich darüber. "Männliche Babysitter sind gefragt, denn es gibt fast keine", sagt sie. "Gerade im Kindergartenbereich fehlen männliche Erzieher." Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass derzeit bundesweit nur knapp drei Prozent der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen Männer sind.

Im Erzbistum Köln arbeiteten zuletzt inklusive Zivildienstleistenden, Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres und Therapeuten 147 Männer in katholischen Kitas — bei insgesamt rund 6500 Beschäftigten eine Quote von 2,3 Prozent.

Das Erzbistum hat deswegen jetzt das Projekt "MAIK" aufgelegt, von dem auch der Babysitterkursus im Familienzentrum St. Aldegundis gefördert wird. Zwei Babysitter teilen sich eine Puppe und dürfen "ihrem Baby" dann einen Namen geben. Heute heißen die Sprösslinge Bob, Hannes, Anett und Gerhardt — die Stimmung ist gut. Das bleibt auch so, als der Ernst des Babysitterlebens beginnt: Windeln wechseln.

"Mein erstes Wickeln hat noch anderthalb Stunden gedauert, heute geht das im Vorbeigehen", beruhigt Ogger die Babysitter. Danach geht es darum, wie man ein Kind hochhebt. "Das Wichtigste ist am Anfang immer, den Kopf zu stabilisieren", sagt Ogger und zeigt, wie es geht. Dann korrigiert sie Fehler der Jugendlichen: "Noch mal runter, ein Baby ist kein Basketball", sagt sie. Oder: "Halt es mal über die Schulter, dann hat es Kino."

"Das macht richtig Spaß", sagt Thilo Borgmann (15). Er hat für die Schule ein 42-stündiges Sozialpraktikum im Familienzentrum St. Aldegundis absolviert und hat dann mit seinen Freunden vom Basketball beschlossen, den Babysitterführerschein zu machen. Sein Kumpel Flo (14) arbeitet schon als Babysitter und kann so seine Kentnisse auffrischen. Max (15) kann bei seinen Nachbarn anfangen und die anderen haben Fotos von sich mitgebracht.

Die werden im Familienzentrum an eine Pinnwand gehängt, an der Eltern einen Babysitter finden. "Das ist eine sehr beliebte Einrichtung", sagt Christa Sieverdingbeck, "weil die Eltern hier Auswahl haben und immer einen passenden Babysitter finden." Der Babysitterführerschein gibt Sicherheit, dass das Kind in guten Händen ist. Und die Jungen? Da legt sich Siverdingbeck fest: "Die gehen sicher weg wie warme Semmeln."

(NGZ/rl)
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