Kaarst: Japaner protestiert gegen AKW

Kaarst : Japaner protestiert gegen AKW

Der in Büttgen lebende Japaner Tomoyuki Takada organisiert eine Widerstandsbewegung gegen das Atomkraftwerk Hamaoka. Es ist das größte AKW seine Heimatlandes.

Tomoyuki Takada ist vorbelastet durch Atomkatastrophen in Japan. Nicht am eigenen Leib, aber: "Meine Großeltern sind in Hiroshima durch die Atombombe gestorben", sagt Takada. Er selbst ist 1959 in Tokio geboren, kam vor 30 Jahren nach Deutschland und lebt seit 18 Jahren in Büttgen. Die ganze Welt berichtet täglich über das Atomkraftwerk in Fukushima. Tomoyuki Takada blickt allerdings etwas weiter südlich nach Hamaoka. Dort steht das größte Atomkraftwerk Asiens – und der Japaner kämpft für die sofortige Abschaltung.

"Die Betriebsgesellschaft hat jetzt angekündigt, eine zwölf Meter hohe Tsunami-Mauer bauen zu wollen. Damit gibt sie zu, dass das Werk nicht sicher ist", sagt Takada. In den nächsten Wochen und Monaten sind weitere starke Erdbeben nicht auszuschließen.

27 000 Unterschriften gesammelt

Hamaoka liegt in einer sogenannten Subduktionszone, an einer Grenze, wo sich die Erdplatten direkt untereinander schieben. "Der Standort ist hochgefährlich. Es ist ein Skandal, dass das Werk noch nicht vom Netz genommen ist. Wird Hamaoka beschädigt, geht die Wirtschaft zu Grunde. Dies wäre das Ende der Nation", sagt der Büttgener. Hamaoka liegt rund 170 Kilometer entfernt im Süden von Tokio, in einem dicht besiedelten und industriellen Ballungsgebiet zwischen der Hauptstadt, Nagoya und Osaka.

Bereits seit einiger Zeit gibt es einen Protest gegen das Atomkraftwerk. Bei insgesamt 54 Reaktoren im ganzen Land ist dies aber noch eine Ausnahme. "Die Mehrheit der Bevölkerung war zurückhaltend. Die Politik hat die Argumente über die Notwendigkeit der Atomenergie massiv kommuniziert, und die Bürger haben die Gefahr hingenommen", erzählt er. Mehr als ein Viertel der Stromversorgung werde von Atomkraftwerken abgedeckt. "Erst jetzt bewegen sich Politik und Medien langsam in eine andere Richtung", so der Japaner.

Vor Ort hat eine Frau bereits 27 000 Unterschriften gegen das Hamaoka-AKW gesammelt. Tomoyuki Takada organisiert eine Initiative von Kaarst aus. Statt Unterschriften bittet er um Kommentare per E-Mail. In den vergangenen Tagen bekam er bereits über 200 Zuschriften aus Deutschland, unter anderem von Ärzten, Professoren und auch vom Umweltamt der Stadt Frankfurt. Solche Statements hätten in Japan mehr Gewicht als eine einfache Unterschrift. Deshalb wird Takada, der als studierter Germanist eine Sprachschule betreibt, alle Mails übersetzen und auf einer Internetseite veröffentlichen.

In Kaarst möchte er demnächst über seine neugegründete Initiative mit dem Titel "Atomfree East-West" informieren. Eine Veranstaltung ist am 2. April auf dem Lammertzhof geplant.

(NGZ)
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