Internist aus Vorst: Martin Schwarz behandelt seltene Krankheit

Vorster Internist : Dieser Arzt hilft in aussichtslosen Fällen

Martin Schwarz ist Internist und Hausarzt in Vorst. Aber er behandelt Menschen aus ganz Deutschland. Denn Schwarz ist bundesweit der einzige niedergelassene Internist, der die Stoffwechselstörung Phenylketonurie behandelt.

Seine Praxisräume könnte er mit fröhlichen Baby-Fotos dekorieren – allesamt Dankeskarten von glücklichen Eltern nach der Geburt ihres gesunden Kindes. Doch im Vorster Ärztehaus würde es wohl etliche seiner Patienten irritieren. Denn Martin Schwarz ist kein Gynäkologe, sondern Internist und Hausarzt. Was nur wenige wissen: Er ist zudem auch bundesweit der einzige niedergelassene Internist, der erwachsene Patienten, die unter der angeborenen schweren Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU) leiden, behandelt.

Die Krankheit ist eine seltene, aber extrem tückische Stoffwechselstörung. Sobald beim Neugeborenen-Screening eine PKU diagnostiziert wird, „können die Betroffenen bis zum 16. Lebensjahr kein normales Essen zu sich nehmen“, so Schwarz. Alle eiweißhaltigen Produkte sind für sie tabu. Noch bis 1970 konnte die PKU nicht diagnostiziert werden. „Nur Kinderärzten war die Krankheit bekannt, weil vermeintlich gesunde Babys innerhalb weniger Monate schwerste Entwicklungsstörungen aufzeigten“, erklärt Schwarz.

Ursache ist der Überschuss an Phenylalanin – eine Aminosäure, die von den Erkrankten nicht abgebaut werden kann. Betroffene dürfen nur spezielle Lebensmittel ergänzt durch Aminosäuremischungen zu sich nehmen. PKU-Patientinnen, die schwanger werden möchten, müssen sehr strikte Diät halten. Im Idealfall bereits sechs Monate vor der Schwangerschaft. Ohne diese medizinische Therapie kommen häufig Kinder zur Welt mit geringem Geburtsgewicht, kleinem Kopfumfang, Gaumen- oder Lippenspalte. „Die Kinder ähneln sehr den Babys von alkoholkranken Müttern“, so Schwarz. Eine weltweite Studie ergab: Wenn schwangere Betroffene eine strikte eiweißarme Diät wie in ihren ersten 16 Lebensjahren einhalten, können gesunde Kinder zur Welt kommen. Schwarz war 2001 bei der Vorstellung der Studie in Washington dabei. „Viele Gynäkologen kennen dieses Krankheitsbild nicht, weil es so selten ist.“ Schwarz sorgt dafür, dass die Patientinnen zweimal pro Woche ihre Blutproben an ein Labor schicken, überprüft ihre Werte und unterstützt sie häufig auch moralisch. „Die meisten Frauen sind aber hochmotiviert und halten sich strikt an die Therapievorgaben.“

Die teuren diätetischen Lebensmittel müssen erwachsene PKU-Betroffene sogar während der Schwangerschaft selbst zahlen. In England dagegen werden sie von den Versicherungen übernommen. Auch der Aufwand, den Schwarz betreibt, wird von den Kassen nur teilweise vergütet. Dabei sei es vom Kostenverhältnis her günstiger, eine schwangere PKU-Patientin umfassend zu unterstützen, als später jahrzehntelang die Folgekosten für schwer retardierte Kinder zu tragen, rechnet Schwarz vor. Die Therapie von PKU-Patienten sei purer Idealismus, erzählt er. Er wolle nun mal sein Wissen um angeborene Stoffwechselstörungen zum Wohl seiner Patienten einsetzen. Ihr Dank ist ihm sicher, wie zahlreiche Baby-Fotos belegen.

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