Kaarst: Hütte im Vorster Wald wird zum Kunstwerk

Kaarst : Hütte im Vorster Wald wird zum Kunstwerk

Aus einer Ruine wollen die Krefelder Künstlerin Monika Nelles und der Kunstverein Nordkanal einen Ort für geheime Gedanken schaffen.

Eine alte, halb verfallene Waldarbeiterhütte am Rande des Vorster Waldes hat die Fantasie der Krefelder Künstlerin Monika Nelles beflügelt. Das kleine Bauwerk, dessen genaues Alter niemand kennt, wird gerade saniert. Es soll zu einem Ort werden, dem man seine geheimen Gedanken hemmungslos anvertrauen kann. Das Innere der Hütte wird nicht zugänglich gemacht, es wird aber von außen zu sehen sein. Im Mittelpunkt soll ein Kronleuchter aus Eislöffelchen stehen.

Monika Nelles fand im Kunstverein Nordkanal einen Partner, mit dem sie ihre Vorstellungen umsetzen kann. Und Markus Albiez, Vorsitzender des 60 Mitglieder starken Vereins, freut sich seinerseits über die Unterstützung durch die Sparkassenstiftung Kaarst-Büttgen und die Bürgerstiftung Kaarst: "Ohne sie wäre das Projekt nicht möglich gewesen", betont er.

Die kleine Hütte sieht aus wie ein Hexenhäuschen. Monika Nelles ist sicher, dass sie zu einer Art Pilgerstätte für die Kindergartenkinder werden wird, die ihr Domizil - die Kita "Am Wald" - nur einen Steinwurf weit entfernt haben. "Diese Hütte weckt Märchenfantasien", sagt Nelles. Die Künstlerin, 1949 in Gelsenkirchen geboren, schafft gerne Werke, die vergänglich sind - und zum Mitmachen animieren.

Die Hütte wird ganz in diesem Sinne gestaltet: Fenster und Türen werden mit bruchsicherem Glas verschlossen, ein Betreten wird nicht möglich sein. Die riesige Eislöffelskulptur wird mit dem Licht spielen, das durch Spiegel multipliziert wird.

Um die Eislöffel rankt sich übrigens eine Legende, nämlich die des aus Italien stammenden Waldarbeiters, der seinen Kollegen immer ein Eis mitgebracht hat, das dann in der Hütte verspeist wurde. Das Äußere der Hütte wird sich stark verändern. Nicht nur, dass dem einstigen Flachbau ein kleiner Dachstuhl gegönnt wird: Die Wände werden in Grau-Rosa gestrichen, ein Behälter mit Kreiden in unterschiedlichen Farben wird bereitstehen - als Aufforderung, der Fassade der Hütte seine geheimen Gedanken anzuvertrauen. Dass die Schrift von Regen und Wind wieder abgetragen wird, hat die Künstlerin einkalkuliert. Es gibt schließlich unendlich viele Gedanken, die dem Gemäuer anvertraut werden können, sagt sie.

Kunst im öffentlichen Raum ist in Kaarst mittlerweile fest verankert. Markus Albiez weiß, dass das in besonderem Maße für das einst umstrittene Projekt "Brücken über den Nordkanal" - am Regiobahn-Halt "Kaarster See" - gilt. Und er hat schon einen weiteren Pfeil im Köcher: "Ein Trafohäuschen am ehemaligen Vorster Sportplatz wird zu einem Kunstobjekt umgewandelt." Die Waldarbeiterhütte wird nach den Sommerferien die Metamorphose vom schnöden Zweckbau zum Kunstwerk geschafft haben.

(barni)
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