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Home-Schooling in Kaarst: Eltern in Sorge

Corona-Krise in Kaarst : Home-Schooling: Eltern äußern Unmut

Während der Corona-Krise lernen die Schüler an Tablets oder PCs. Eltern sind besorgt, dass sie dadurch wichtigen Lernstoff verpassen und finden, dass ihre Kinder ungerecht behandelt werden.

Der Schulausschuss-Vorsitzende Marcel Finger (CDU) hatte den richtigen Riecher: „Schulen in Zeiten der Corona-Pandemie ist ein großes, sehr emotionales Thema.“ Im Schulausschuss wurde ziemlich genau zwei Stunden über nichts anderes diskutiert. Die Zufriedenheit mit der Verwaltung überwog, aber es wurde auch Kritik seitens der Elternvertreter laut. Im Fokus stand das sogenannte Distanzlernen, das jede Menge Fragen aufwarf. Eltern fürchten zunehmend, dass ihre Kinder nicht mehr genug Stoff vermittelt bekommen.

Zunächst ging es fast schon kuschelig zu. Der Leiter des Albert-Einstein-Gymnasiums, Bruno von Berg, bedankte sich bei der Schulverwaltung: „Es war bis jetzt eine ganz tolle, pragmatische Zusammenarbeit. Wir befinden uns in einem engen Austausch und sind in der Krise auf positive Weise enger zusammengerückt.“ Josef Oppermann, Leiter der Grundschule Stakerseite, lobte „den intensiven Austausch im Zusammenhang mit den Schulschließungen“. Heinz Kampermann (CDU) schwärmte: „Ich bin froh, dass ich in einer solchen Stadt lebe.“ Er hat eine Vision: Warum soll die Lernmittelfreiheit nicht auch die Ausstattung mit Tablets umfassen – die Kommunen könnten dieses Aufwand nicht alleine stemmen. Schuldezernent Sebastian Semmler erklärte, in der Realschule gebe es rund 40 Schüler ohne eigenes Tablet. Sie würden nächste Woche mit entsprechenden Geräten versorgt werden. „Wenn das nicht reicht, werden wir uns weitere Gedanken machen“, versprach Semmler.

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Ingrid Hartmann-Scheer (FDP) hat davon gehört, dass es Schüler gibt, die zu Hause keinen Internetanschluss haben. Von Berg hatte letzte Woche die erste Videokonferenz an seiner Schule. Seine Einschätzung: „Was fehlt, ist der soziale Kontakt. Home-Schooling hat nicht Snur Vorteile.“ Josef Oppermann pflichtete dem bei: „Das eigentliche Lernen muss in der Schule stattfinden.“ Für ihn eine Schreckensvision: Der sechsjährige Erstklässler zu Hause am PC statt in der Schule. Die aktuelle Situation beschrieb Bruno vom Berg so: „Wir fahren alle auf Sicht und leiden alle an Kurzsichtigkeit.“ Camilla Altvater, Elternvertreterin der Kaarster Schulpflegschaften, beschrieb die derzeitige Stimmung der Eltern: „Sie sind verständnisvoll, wütend, genervt, überfordert, frustriert und besorgt, dass die Kinder Lehrstoff verpassen.“ Was sie vermisst, sind klare Vorgaben der Landes- und Bezirksregierung für den digitalen Unterricht. Inga Muth, Pflegschaftsvorsitzende des Albert-Einstein-Gymnasiums, erklärte: „Der Unmut bei den Eltern steigt stark an.“ Sie befürchten, dass derzeit zu wenig Lerninhalte vermittelt werden.

Dem Vorwurf mangelhafter Kommunikation setzten Vertreter des Schulamtes und der Schulen die kurze Halbwertzeit der Informationen entgegen. Marcel Finger weiß, dass das Lernen in Zeiten von Corona nicht optimal ist. Seine Prognose, seine Hoffnung: „Eltern und Kinder werden einen Preis Zahlen für diese Zeit – ich hoffe, dass dieser Preis nicht allzu hoch sein wird.“