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Kaarst: Holzbüttgens Schützen streiten weiter

Kaarst : Holzbüttgens Schützen streiten weiter

Bis nach dem Fest war Waffenstillstand vereinbart. Jetzt wird der Putsch gegen Brudermeister Volker Schöneberg vorangetrieben.

Wer von dem Streit nichts wusste, wird wahrscheinlich noch nicht einmal geahnt haben, wie es um den Zusammenhalt in der Holzbüttgener St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft derzeit tatsächlich steht. An die 900 Gäste haben am Schützenfestdienstag, bei einem Spontanauftritt der "Räuber", gefeiert — rauschend und bis tief in die Nacht. Brudermeister Volker Schöneberg sagt: "Es war eines der schönsten Schützenfeste, die ich je aktiv mitgestaltet habe." Und dennoch lag so etwas wie ein Schatten über dem Zelt. Wer von dem Streit wusste und genau hinhörte, konnte ahnen, dass der vermeintliche Frieden nur ein vorübergehender Waffenstillstand ist. Seit vergangenem Mittwoch ist er aufgehoben.

Mit einem Misstrauensvotum wollen einige Schützen ihren Brudermeister stürzen. Ein Schreiben des ehemaligen Königs Christoph Keuter ging dazu im Juni an alle Zugführer heraus. In dem Brief warb Keuter um Stimmen für einen Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Auf deren Tagesordnung soll zum einen die Abwahl Schönebergs und seines Stellvertreters Dieter Hellendahl, zum anderen die Wahl eines neuen Vorstandes stehen. Für das derzeit vakante Amt des Kassierers schlägt Keuter sich selbst vor, Peter Schmitz soll den Posten des Geschäftsführers und Steven Hayward den des Stellvertreters übernehmen. Auch diese beiden Stellen sind aktuell nicht besetzt. Als neuer zweiter Brudermeister wird Christoph Gaspers empfohlen, als erster Brudermeister Hans Töller. Jener Hans Töller, der 2010 die — nicht erfolgreiche — Vertrauensfrage stellte und anschließend als Brudermeister zurücktrat. Im Gegensatz zu Töller, der die Vorstandsarbeit und die näheren Zusammenhänge seit Jahrzehnten kenne, spricht Christoph Keuter Schöneberg die Fähigkeit ab, die Holzbüttgener Schützen vernünftig zu führen. Wichtige Posten im Vorstand, sagt er, seien nicht besetzt, ein sofortiger Neuanfang dringend nötig. "Wir handeln ausschließlich aus Sorge um die Bruderschaft", betont Töller. Deshalb laute das Angebot an die Schützenkollegen: "Wir übernehmen — entweder als fünfköpfiges Team oder gar nicht. Im zweiten Fall möchten wir aber auch nicht mehr um Hilfe gebeten werden, wenn der Baum brennt." Die für einen entsprechenden Antrag nötigen Unterschriften — zehn Prozent der Mitglieder der Bruderschaft — haben man jedenfalls zusammen, sagt Keuter. Antrag und Liste wolle er dieser Tage übergeben.

Volker Schöneberg sieht dem gelassen entgegen. "Wir werden beides auf Satzungsgemäßheit prüfen", sagt er. Gegebenenfalls werde die Tagesordnung der bereits einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20. September um die entsprechenden Punkte ergänzt. "Bislang stehen lediglich Ergänzungswahlen auf dem Programm. Für die vakanten Stellen schlagen wir Stefan Schüpper als Geschäftsführer, Wilfried Bank als Stellvertreter und Karl-Heinz Cremer als Kassierer vor."

Der frisch proklamierte Schützenkönig Franjo Rademacher hat für die Putsch-Pläne kein Verständnis: "Für solche Aktionen sagt der Volksmund treffend: ,Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf´s Eis tanzen'. Für mich ist es völlig bizarr, dass einige Schützenbrüder nach einem in jeder Hinsicht harmonischen, frohen und von den Gästen gelobten Schützenfest erneut eine solche Aktion starten." Jeder habe das Recht, Fehler zu machen. "Ich erwarte von gestandenen Schützen aber, dass sie zur Vernunft und Loyalität zurückkehren. Ich bin guter Hoffnung, dass dies gelingt, und will meinen Teil dazu beitragen."

(NGZ)