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Kaarst: "Holzbüttgens Schützen erwartet ein tolles Fest"

Kaarst : "Holzbüttgens Schützen erwartet ein tolles Fest"

Die NGZ sprach mit dem neuem König – über Höhepunkte im Regentschaftsjahr, Missklänge in der Bruderschaft und die Rolle der Frau im Schützenwesen.

Herr Rademacher, wie fühlt man sich so als frischgebackener (Schützen-) König von Holzbüttgen?

Franjo Rademacher Wunderbar! Als amtierender Hubertuscorpskönig konnte ich ja schon ein wenig üben. Meine Frau und ich sind glücklich und voller Tatendrang, diesen Repräsentation dienst für die Bruderschaft zu leisten.

Das Königsamt ist ja mit viel zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Was ist Ihnen dieser Aufwand wert, also – was hat Sie bewogen, auf den Vogel zu schießen?

Rademacher Für mich kamen ein paar Aspekte zusammen. Erst einmal: Ein Schützenfest ohne König geht gar nicht. Es wäre ein "amputiertes" Fest. Dann habe ich als Holzbüttgener Hubertusschütze und Kaarster Scheibenschütze den Wert des Schützenwesens oft erfahren: Gemeinschaft und Freude statt Anonymität, das Leben mit Freunden unter Freunden genießen. Ein weiterer Anstoß war die Kernbotschaft in der Schützenmesse von Pastorin Maike Neumann, Pfarrer Peter Seul und Brudermeister Volker Schöneberg: "Gemeinschaft leben, Freude ausstrahlen und weitergeben, das Leben feiern". Dafür lohnt es sich dann auch, Zeit und Geld zu investieren.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als Schützenkönig setzen?

Rademacher Erstens: Als begeisterter Christ sind für mich Beziehungen wichtig. Ich wünsche mir sehr, dass die bekannte "goldene Lebensregel" auch immer wieder Realität für unsere Bruderschaft wird. Sie lautet: "Behandle den Anderen so, wie Du behandelt werden möchtest", und: "Was Du nicht willst, dass man Dir tu', das füg auch keinem anderen zu". Garant für jede gute Beziehung. Zweitens: Ich möchte Jung und Alt im Miteinander zusammenführen. Ich freue mich, dass neben meinem eigenen Zug die "Ärm Söck" als zweiter Ehrenzug mitmachen. Power trifft Erfahrung. Das wird spannend. Drittens: Bei aller Tradition wäre es toll, wenn in einer modernen Bruderschaft unsere Frauen bald mehr als nur schmückendes Beiwerk wären. Das ist ein wichtiges Feld, dass wir mit Kreativität und gemeinsam beackern sollten. Viertens: Im September wird in einer Mitgliederversammlung der Vorstand komplettiert. Gestandene Persönlichkeiten stehen dafür zur Verfügung. Mit diesem Vorstand, mit den beiden Ehrenzügen, den Ministern Karl Bernhard Bohr und Theo Werner wollen wir ein Schützenfest 2014 zaubern, das einfach ist, aber begeistert.

Sie treten den "Job" in einer Zeit an, in der die Bruderschaft von außen gesehen vor einer Zerreißprobe zu stehen scheint. Einige Schützen- brüder haben den Antrag gestellt, die Bruderschaftsführung "abwählen" zu lassen und sich selbst zu installieren. Was halten Sie von den Plänen?

Rademacher Eines mal gleich vorweg: Alles, was eine Satzung so hergibt, muss allein deshalb nicht richtig sein, zu tun. Nein, ich halte überhaupt nichts von Umsturzversuchen. Das ist der falsche Weg. Und vor allem gibt es keinen Grund dafür. Richtig ist es, den gewählten Vorstand zu unterstützen und ihn nicht öffentlich zu attackieren. In jeder guten Familie löst man Probleme intern. Alles andere schadet. Es wird auch keine Zerreißprobe geben. Nein. Die vorgebrachten Argumente gehen ins Leere.

Sie sagen also, Brudermeister Volker Schöneberg und sein Vertreter Dieter Hellendahl erledigen ihre Aufgaben gut. Warum haben sich dann bis vor kurzem keine Interessenten für die vakanten Vorstandspositionen gefunden?

Rademacher Ihre Frage ist durch die Fakten überholt. Trotzdem: Ja, ich finde die beiden sind richtig gut, wenn auch manchmal reichlich kantig. Fakt ist: Keiner hat sich selbst gemacht. Und wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein. Und mancher Interessent überlegt halt länger. Und es war wohl aus der "Vor-Schöneberg-Zeit" einiges an Hinterlassenschaft aufzuarbeiten. Die Fakten: Wir hatten ein tolles Schützenfest, der Vorstand wird jetzt mit kompetenten Persönlichkeiten komplettiert, es gibt einen neuen König. Schützenherz, was willst Du mehr? Ich finde: Lasst uns jetzt gemeinsam die Ärmel aufkrempeln und endlich das Lamentieren lassen. Es gibt keinen Raum für verletzte Eitelkeiten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung haben sie vor kurzem gesagt, Sie erwarteten von gestandenen Schützen, dass sie in der Lage sind, zu Vernunft und Loyalität zurückzukehren und dass Sie ihren Teil dazu beitragen wollen, dass das auch gelingt ...

Rademacher Ja, richtig. Zunächst sind Wahlergebnisse anzuerkennen. Dann kann sich jeder mal vergaloppieren, daran ist nichts Verwerfliches. Aber dann sollte man die Stalltür wieder finden, das macht wahre Größe aus. Ich möchte gerne Brücken bauen – durch Gespräche und Verständnis der jeweiligen Positionen. Dazu stehe ich gerne zur Verfügung. Schauen wir nach vorn, nicht zurück.

Am Schützenfestdienstag haben Sie die Kölner Kult-Band "De Räuber" zu einem Spontanauftritt im Festzelt bewegen können.Die Stimmung war großartig. Worauf dürfen sich die Holzbüttgener in Ihrem Königsjahr noch freuen?

Rademacher Die Räuber sind nach einer Generalprobe noch spontan spät am Abend für ein Ständchen ins Festzelt gekommen. Das war reines Glück – aber toll! Unser Ziel ist es, im kommenden Jahr ein wunderbares Schützenfest mit viel Stimmung und vollem Haus zu erleben. Lassen Sie sich also überraschen!

JULIA HAGENACKER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ)