Unterstützung aus Kaarst an einem Wochenende: Hilfe für arme Senioren in Polen

Unterstützung aus Kaarst an einem Wochenende : Hilfe für arme Senioren in Polen

Von Rudolf Barnholt

Drei Männer aus Kaarst, alle 68 Jahre alt, hatten jüngst ein Wochenende voller Stress auf sich genommen: Mit einem geliehenen Kleintransporter brachten sie Hilfsgüter zu einem Altenheim in Niederschlesien. Hauptorganisator Paul Schindler zieht eine positive Bilanz: "Der Hilfstransport hat uns eine innerliche Befriedigung verschafft." Die Friedenskirche im niederschlesischen Schweidnitz stand auch auf dem Reiseprogramm des Kaarster Hilfskonvoi nach Polen. Sie gehört zum Weltkulturerbe. Foto: privat --->

Die Armut ist in dem Altenheim allgegenwärtig, aber die Hilfe aus Kaarst trägt bereits erste Früchte. Frank Klose, im vergangenenen Jahr Kaarster Schützenkönig und zusammen mit seinem Vater Inhaber eines Heizungs- und Sanitärbetriebes, hatte kostenlos einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung: Die Hilfsaktion musste in der Zeit von Freitag Abend bis Montag früh über die Bühne gehen.

Das bedeutete Stress, schließlich liegt Dzierzoniow, früher Reichenbach, rund 900 Kilometer von Kaarst entfernt. Herbert Schumacher, früherer Hausmeister in der Pfarre St. Martinus, Helmut Taube und Paul Schindler gaben Vollgas, kamen ganz schön ins Schwitzenund erreichten ihr Ziel am frühen Samstag Morgen. Obwohl der Heimatort von Helmut Taube nur neun Kilometer von der Reiseroute entfernt lag, konnten sich die Männer diesen Abstecher aus Zeitgründen nicht erlauben, zumal sie wissen: "Die Polen sind so gastfreundlich, die lassen einen so schnell nicht wieder gehen."

Für Herbert Schumacher war es das erste Mal, dass er das Riesengebirge sah: "Blaue Berge, grüne Täler", heißt es in einem alten Volkslied so schön und der Rheinländer schwärmte denn auch: "Das ist ein fantastische Landschaft." Als die Männer sich eine Pause gönnten, genossen sie die Sicht auf die Schneekoppe, die es nicht nur in der Werbung gibt. Durch die EU-Zugehörigkeit Polens gab es an der Grenze, die die Kaarster bei Görlitz passierten, keine Probleme. Vorsichtshalber hatte sich Paul Schindler von der Kolpingsfamilie eine Schenkungsurkunde ausstellen lassen.

Auch trotz großer Hitze wahrten die drei Kaarster Stil: Eigens für den Gottesdienst hatten sie ordentliche Kleidung mit dabei. Die Nonnen freuten sich jedoch mehr über das restliche Gepäck: Vom Kaarster Vinzenzhaus hatte Paul Schindler acht Rollstühle und 10 Laufwägelchen bekommen, außerdem einen Toilettenstuhl, diverse Gehhilfen sowie jede Menge Bettwäsche und drei Matratzen. Kein Wunder, dass da die Begrüßung durch Schwester Monika besonders herzlich ausfiel und die drei Helfer das beste Zimmer im Heim für eine Nacht angeboten bekamen.

Dass an den Hilfsgütern hier und da begabte Handwerker noch den letzten Schliff verpassen müssen, konnte die Freude nicht trüben. Das frühere Krankenhaus, das seit 1995 als Altenheim genutzt wird, wird von 12 Nonnen sowie von weltlichem Personal geführt. Nach der dritten Hilfslieferung hat Paul Schindler schon erste Erfolge ausgemacht: "Beim ersten Mal waren die alten Menschen in Lumpen gehüllt." Viele der Senioren sind zwar bettlägerig, aber bei klarem Verstand. Überwiegend in großen Sechs-Bett-Zimmern fristen sie ein ärmliches Leben.

Die alten Menschen sind für jede Unterstützung sehr dankbar. "Wir können noch viel gebrauchen", hatten ihnen die katholischen Ordensschwestern mit auf den Weg gegeben. Diese freundliche Bitte wird nicht auf taube Ohren stoßen. Paul Schindler dankt vor allem den engagierten Firmen aus Deutschland, die den Wagen zur Verfügung stellten, Geld für Diesel locker machten oder Sanitätsartikel spendeten. Für ihn steht jedenfalls fest: "Für das Altenheim werde ich wieder betteln gehen."

(NGZ)