1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Hilfe bei Demenz in der Familie

Kaarst : Hilfe bei Demenz in der Familie

Speziell für Partner, Kinder und Geschwister von Demenzpatienten hat das Johanniter Stift jetzt einen offenen Gesprächskreis ins Leben gerufen. In Kaarst gibt es ein ähnliches Angebot bislang nur im Café "EinBlick".

Wer einen nahen Angehörigen auf der Reise ins Vergessen begleitet, muss starke Nerven haben. Wenn der Ehemann seine Frau, die sich liebevoll kümmert, urplötzlich anschreit und ganz übel beschimpft; wenn eine Mutter ihr Portemonnaie sucht und die Tochter des Diebstahls beschuldigt oder ein Vater den eigenen Sohn fragt: "Wer sind Sie eigentlich?" Rosel Band, Leiterin des Johanniter Stifts in Kaarst, und Petra Kinzel, Leiterin Sozialer Dienst, kennen solche Situationen. Sie beobachten sie täglich im Arbeitsalltag.

Speziell für Angehörige von Demenzpatienten haben sie vor kurzem einen offenen Gesprächskreis ins Leben gerufen. In Kaarst gibt es ein ähnliches Angebot bislang nur im Café "EinBlick". Bei Kaffee und Kuchen treffen sich Ehefrauen und -männer, Töchter, Söhne, Brüder und Schwestern ein- bis zweimal im Monat im Johanniter Stift, um sich auszutauschen. Jeder kann dazu kommen, jeder kann mitreden — er muss sich nur vorher anmelden, denn während des Treffens werden die Patienten betreut.

Demenz ist heute eine Volkskrankheit. Die mit 60 bis 70 Prozent häufigste Demenzart ist Alzheimer. Mit 65 Jahren leidet einer von hundert, mit 80 jeder fünfte und mit 90 jeder dritte Deutsche daran. In Deutschland sind etwa 1,2 Millionen Menschen von einer der verschiedenen Demenzerkrankungen betroffen. Und die meisten dieser Patienten haben Angehörige.

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es vielen Betroffenen leichter fällt, Ratschläge anzunehmen, wenn sie nicht von uns, sondern von Menschen kommen, die dasselbe erleben", sagt Rosel Band. Eine geschulte Fachkraft ist trotzdem bei jedem Treffen des Gesprächskreises dabei. Sie hilft im Zweifel, Entscheidungen zu treffen — und zu verstehen.

"Das Problem", sagt Band, "ist, dass es für den Umgang mit dementen Menschen nun einmal kein Patentrezept gibt. Der Demenzkranke lebt nicht mehr in der Ratio, sondern in der Emotion. Das muss man akzeptieren lernen." Wichtig sei vor allem, den Menschen, der früher Partner, Stütze und Vorbild war, respektvoll und wertschätzend zu behandeln. "Auch wenn sich die Rollen umkehren."

(NGZ)