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Kaarst: Herzenswunsch: Aus dem Hospiz aufs Trike

Kaarst : Herzenswunsch: Aus dem Hospiz aufs Trike

Die Chopper Freunde Neuss erfüllen der krebskranken Eveline Marx ihren letzten Wunsch.

Eveline Marx ist gerührt. "Unfassbar, dass sich die Jungs solche Mühe für mich machen", sagt sie. "Die Jungs" - das sind die Chopper Freunde Neuss, und sie wollen Eveline Marx einen großen Wunsch erfüllen. "Ich möchte noch ein Mal auf einem Trike fahren", sagt sie.

Eigentlich hatte sie sich zum 60. Geburtstag selbst solch ein dreirädriges Motorrad kaufen wollen. "Aber dazu bin ich nicht mehr gekommen", erzählt sie. Denn Eveline Marx ist schwer krank. "Vor rund einem Jahr ist sie mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen. Bei den Untersuchungen haben die Ärzte einen mehr als sechs Zentimeter großen Tumor in ihrer Lunge festgestellt", erzählt ihr Lebensgefährte Hans-Joachim Watzka. Rund neun Monate habe seine Freundin dann eine Chemo-Therapie ertragen müssen.

"Jeden Montag musste sie in die Klinik. Im Anschluss bekam sie noch sieben Wochen Bestrahlung", erinnert sich der 59-Jährige. Doch der Krebs habe sich ausgebreitet. "Ich habe Tumore in beiden Nieren", sagt die Krebs-Patientin. Seit Mitte Dezember lebt sie im Marienheim Hospiz in Kaarst. Nach den Strapazen der vergangenen Monate ist ihr Körper geschwächt. Sie sitzt im Rollstuhl. "Die Ärzte konnten nichts mehr für sie tun", sagt Lebensgefährte Watzka und fügt mit leiser Stimme hinzu: "Niemand weiß, wie lange ich sie noch habe."

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Doch eins war für ihn gewiss: Ihren letzten großen Wunsch wollte er seiner Eveline noch erfüllen. "Unsere Reise an den Gardasee werden wir wohl nicht mehr schaffen. Aber eine Fahrt auf dem Trike, die soll sie noch erleben dürfen." Sein Problem: Watzka besitzt kein Trike, nicht mal ein Motorrad. "Da kam mir die Idee, Edwin Matheisen anzusprechen. Wir kennen uns durch den VfR Neuss. Da war er lange Präsident, und ich wusste, dass er Mitglied in einem Motorradclub ist", erzählt der 59-Jährige.

Edwin Matheisen zögerte keinen Moment, als er von der Geschichte erfuhr. "Ich habe sofort unseren Club zusammengetrommelt", erzählt er. Im sozialen Netzwerk Facebook startete er einen Aufruf. "Ich wollte möglichst viele Leute erreichen, die uns mit ihren Motorrädern begleiten. Damit die Fahrt durch Kaarst für Eveline ein echtes Erlebnis wird", sagt er. Inzwischen hätten sich über die 20 Neusser Chopper-Freunde hinaus noch rund 40 Motorradfahrer gemeldet. "Trikes haben wir natürlich auch am Start", sagt Mattheisen. Am Samstag wollen die Chopper Freunde die schwerkranke Frau am Marienhospiz abholen und zur Tour durch die Straßen der Stadt aufbrechen. "Wir werden auf jeden Fall Fotos von der Aktion machen, die Eveline ihrem Lebensgefährten hinterlassen kann. Auch das ist ein Wunsch von ihr, den wir natürlich gern erfüllen", sagt Edwin Matheisen.

"Die Vorfreude auf die Fahrt gibt Eveline unheimlich viel Kraft", sagt ihr Lebensgefährte. Die 60-Jährige bereite sich intensiv auf den Motorradausflug vor. "Ich trainiere jeden Tag mit meiner Physiotherapeutin und kann inzwischen schon wieder ein paar Schritte laufen. Ich bin sicher, dass ich das Trike erreichen können werde", sagt Eveline Marx. Zwar habe sie sich keine Motorradlederkombination mehr kaufen können, aber sie ist sich sicher: Ein Skianzug wird sie auch ausreichend gegen die Kälte schützen, "Ich hoffe bloß, dass das Wetter mitspielt und es nicht etwa anfängt zu schneien, wenn ich gerade auf dem ,Mopped' sitze", sagt sie.

(NGZ)