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Kaarst: Grüne für Urnenwände auf Kaarster Friedhöfen

Kaarst : Grüne für Urnenwände auf Kaarster Friedhöfen

Nicht einmal mehr jede zweite Bestattung findet als klassische Beerdigung statt, bei der ein Leichnam im Sarg zu Grabe getragen wird. Lag der Anteil vor zehn Jahren noch bei 68 Prozent, so beträgt er heute nur noch 40 Prozent.

Diese beiden Zahlen nannte die Stadt im Bau- und Umweltausschuss. Bisher hatte sie die Bestattungskultur vor Ort dem ländlichen Raum zugeordnet. Das heißt, der Trend bleibt bei der Beerdigung mit Sarg im Reihengrab. "Doch die Nachfrage ist breiter und vielfältiger geworden", sagt der Technische Beigeordnete Manfred Meuter, "darauf müssen wir reagieren."

Und das hat die Stadt: Sie bietet auf ihren Friedhöfen in Kaarst, Büttgen und Vorst heute mehrere Ruhestätten zur Auswahl: Reihengrab (anonym oder teilanonym), Wiesenreihengrab, Urneneinzelgrab (anonym und teilanonym) und Wahlgräber. Der Friedhof in Holzbüttgen gehört der katholischen Kirche. Sie folgt mit Ausnahme der anonymen Bestattung aber der Satzung und den Grabformen der Stadt. Anstoß zur neuerlichen Beurteilung der Situation gab ein Antrag der Grünen. Sie schlagen mit dem Bestattungsgarten und einer Urnenwand nun zwei weitere Formen vor.

Urnengräber liegen häufig unter einfachen Rasenflächen. Angehörige wählen diese Form, wenn sie nicht in der Nähe leben und sich somit nicht um die Grabpflege kümmern können. Ein Bestattungsgarten wäre eine ästhetische ansprechende Alternative, so die Grünen. Ihre Idee ist es, die Gestaltung und Pflege des Bestattungsgartens in die Hände eines Gärtnereibetriebs zu geben. Wer eine solche Grabstelle mietet, schließt mit ihm einen Pflegevertrag ab. Der Stadt entstünden damit keine Kosten.

Urnenwände stellen vor allem in Großstädten eine platzsparende Alternative zu Erdgräbern dar. Attraktiv gestaltet wären auch sie eine Bereicherung zur Friedhofsarchitektur, sagen die Grünen. Hierfür gibt es Anbieter, es könnte aber auch zu einem Gestaltungswettbewerb aufgerufen werden, so ihr Vorschlag.

Heinz Blech (SPD) äußerte seine Zurückhaltung bei den Urnenwänden. "Diesen Gedanken sollten wir erst einmal in die Bevölkerung tragen", sagte er. Grundsätzlich zeigte sich der Ausschuss aufgeschlossen zu den beiden neuen Bestattungsformen. Zwingender Handlungsbedarf, der auf Wünsche der Bürger zurückzuführen wäre, besteht laut Stadtverwaltung nicht.

In einem neuen Arbeitskreis "Kaarster Friedhofssatzung — Eckpunkte einer Änderung" soll der Wandel der Bestattungskultur aufgegriffen werden. Dieser werde auch eine neue Ordnung bei den Friedhofsgebühren mit sich bringen, so Manfred Meuter. Der Arbeitskreis solle vor allem dem Informationsaustausch dienen und sich auf wenige Sitzungen beschränken. Sabine Kühl (SPD) regte an, auch die Kaarster Bestatter hinzuzuziehen.

(stef)