Kaarst: Grüne diskutieren über Erdkabel

Kaarst: Grüne diskutieren über Erdkabel

Hans Christian Markert, Kaarster Grüner und als Landtagsabgeordneter Sprecher für Umwelt-, Verbraucher- und Antiatompolitik, sprach mit Kaarster Bürgern über die Vor- und Nachteile einer unterirdischen Stromleitung.

Im März waren die Grünen und die UWG im Rat mit ihrem Antrag gescheitert, eine oberirdische 380-kV-Hochspannungsleitung auf Kaarster Stadtgebiet abzulehnen und sich für eine Verlegung eines Erdkabels auszusprechen. Hans Christian Markert, Kaarster Grüner und als Landtagsabgeordneter Sprecher für Umwelt-, Verbraucher- und Antiatompolitik, wollte eigentlich in seinem Vortrag nur die Alternative "Erdkabel" vorstellen, mit all ihren Vor-, aber auch Nachteilen. Aber die anschließende Diskussion ging weit über dieses Thema hinaus.

So wurde angezweifelt, ob die neuen Überlandleitungen wirklich im geplanten Umfang erforderlich seien. Markert sprach sich für eine künftige dezentrale Stromversorgung aus, das Oligopol weniger Anbieter wie RWE oder Eon müsse gebrochen werden. Dafür gab es breite Zustimmung. Die Vorsitzende der Kaarster Bürgerinitiative gegen eine oberirdische Hochspannungsleitung, Marlies Lappe, war ebenso unter den Zuhörern wie ihr Neusser Mitstreiter Willi Traut.

Hans Christian Markert stellte beide Alternativen gegenüber, kam zu folgendem Schluss: "Die Verlegung eines Erdkabels ist unterm Strich mindestens doppelt so teuer wie die Installation von Freileitungen." Die Einrichtungskosten für eine Verlegung in rund 1,50 Metern Tiefe liegen weit mehr als doppelt so hoch wie eine überirdische Verkabelung, für Erdkabel sprechen jedoch die deutlich niedrigeren Betriebskosten und der wesentlich geringere Stromverlust. Markert wies auf mögliche gesundheitliche Probleme für Menschen und Tiere — hier vor allem für Vögel — hin, die von überirdischen Leitungen ausgehen, verschwieg aber nicht, dass in unmittelbarer Nähe der verlegten Erdkabel ebenfalls magnetische Felder entstehen, die sich jedoch stärker abschwächen als bei Freileitungen.

Markert wandte sich dagegen, Kosten und den Hinweis auf Einhaltung der Grenzwerte als K.o.-Argumente zu benutzen. Die Grünen seien dafür, in sensiblen Gebieten Erdkabel zu verlegen. Sie glauben aber nicht, dass rund 4000 Kilometer neue 380 kV-Überlandleitungen erforderlich seien. Markert weiß, dass ein Argument für diese Leitungen der Transport von Strom von Nord nach Süd ist, der in künftigen Offshore-Anlagen in der Nordsee erzeugt werden soll. Gleichwohl spricht er sich für eine Dezentralisierung der Stromversorgung aus. Industriebetrieben mit extrem hohem Stromverbrauch wie den Aluminiumwerken müsse die Chance gegeben werden, eigenen Strom zu erzeugen, beispielsweise mittels Blockheizkraftwerken.

Christian Gaumitz kündigte für Frühjahr 2012 einen neuen Vorstoß zum Thema "Erdkabel" an.

(NGZ)
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