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Kaarst: Großputz für die Orgel von St. Aldegundis

Kaarst : Großputz für die Orgel von St. Aldegundis

Alle 25 Jahre wird eine der ältesten Kirchenorgeln im Rhein-Kreis zerlegt und vom Staub befreit. Die Reinigung kostet 20 000 Euro.

Die Orgel in der Neuen Kirche von St. Aldegundis bringt derzeit keinen Ton heraus. Stattdessen liegt sie in ihre Einzelteile zerlegt auf der Empore. Genau 1054 Pfeifen, die Pfeifenstöcke, der Balg und die Pedale liegen dort verteilt. Das Instrument wird derzeit gereinigt. Ein Großputz, der nur alle 25 Jahre gemacht wird.

Die St. Aldegundis-Kirche besitzt eine der ältesten Orgeln im Rhein-Kreis Neuss. Gebaut wurde sie 1887 von Franz Joseph Schorn, seit ihrer letzten Restaurierung im Jahr 1990 wurde sie nicht mehr gesäubert. Nötig hätte sie es vielleicht schon sieben Jahre später gehabt, als durch die Umgestaltung des Altarraums viel Staub aufgewirbelt wurde. "Von außen konnte man es gar nicht erkennen, aber in den Pfeifen und an ihren Schlitzen war eine millimeterdicke Staubschicht", sagt Kantor Dieter Böttcher. Sogar der feine Ruß der brennenden Kerzen in der Kirche setzt sich dort immer ab.

Der ganze Dreck beeinflusst natürlich den Klang der Orgel. "Die Pfeifen sprechen nicht sofort an. Der Ton ist matter, die Orgel klingt nicht mehr so kräftig", sagt der Kirchenmusiker. Aber so eine Reinigung ist teuer, kostet rund 20 000 Euro. Vor zwei Wochen haben die Orgelbauer Marco Ellmer und Christian Niemeyer von der Firma Seifert ihre Arbeit aufgenommen.

Das Familienunternehmen besitzt eine lange Tradition im Orgelbau. 1885 wurde es von Ernst Seifert in Köln gegründet, für den Bau der Marienorgel in Kevelaer zog es 1904 in den Wallfahrtsort am Niederrhein. Auch die Büttgener Orgel ist Seifert nicht unbekannt: Bereits 1974 wurde sie umfangreich von dem Unternehmen restauriert, woran heute noch ein Schild am Spieltisch erinnert.

Bei dem mehr als 125 Jahre alten Instrument ist selbstverständlich eine gewisse Vorsicht bei der Reinigung geboten. Die Pfeifenwände sind sehr dünn und lassen sich schnell verbiegen. Bereits vorhandene Dellen werden im Zuge der Reinigung ausgebeult. Ansonsten gehen die Orgelbauer vor wie beim häuslichen Großputz: Zuerst werden die Pfeifen mit einem herkömmlichen Staubsauger gereinigt, anschließend mit Seifenlauge geputzt.

"Unser Beruf hat sich in den vergangenen fünfhundert Jahren kaum verändert. Vor allem bei solchen historischen Orgeln ist es spannend, wenn man bedenkt, dass damals die Orgelbauer genau dasselbe gemacht haben wie wir heute", sagt Marco Ellmer. Trotzdem sei jede Orgel eine neue Herausforderung.

Mit der Reinigung der Pfeifen sind die Orgelbauer mittlerweile so gut wie fertig. Dann muss das große Puzzle wieder zusammengesetzt werden. Wo alles wieder an seinen Platz kommt, habe sich Marco Ellmer gemerkt, wie er selbst sagt. Allerdings passt auch nicht jede Pfeife überall hin. Die größte misst immerhin rund 2,50 Meter. Bei der Nachintonation wird jede der 1054 Pfeifen auf ihre Ansprache, Klangfarbe und Lautstärke geprüft. Zum Schluss folgt die Generalstimmung des Instruments. In zwei Wochen soll die Orgel dann wieder spielbereit sein.

(stef)