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Kaarst: Genug U3-Plätze: Stadt will Kita-Bau aussetzen

Kaarst : Genug U3-Plätze: Stadt will Kita-Bau aussetzen

Die Verwaltung schlägt vor, die Planungen für den Bau einer weiteren fünfgruppigen Kita an der Danziger Straße vorerst auszusetzen.

In Kaarst ticken die Uhren anders, aus irgendeinem Grund: Während kurz vor dem Rechtsanspruchsstichtag am 1. August in vielen Kommunen noch Plätze für die Betreuung von unter dreijährigen Kindern (U3) fehlen, beläuft sich die diesbezügliche Nachfrage in Kaarst derzeit auf null. Auch Plätze für über Dreijährige sind für das kommende Kindergartenjahr noch zu haben. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, die Planungen für den Bau einer weiteren fünfgruppigen Kita an der Danziger Straße vorerst auszusetzen. In der kommenden Woche entscheidet darüber der Jugendhilfeausschuss.

"Derzeit stehen in Kaarst 392 U3-Plätze für insgesamt 978 anspruchsberechtigte Kinder zur Verfügung", sagt der Erste Beigeordnete Heinz Dieter Vogt. In Kindertageseinrichtungen konnten für das kommende Kindergartenjahr 27 Einjährige und 213 Zweijährige versorgt werden. In der Kindertagespflege stehen 130 Plätze zur Verfügung, über das Jahr kalkuliert für 150 Kinder. "Vom Kindergartenjahr 2012/2013 auf das Kindergartenjahr 2013/2014 haben wir sechs zusätzliche Gruppen geschaffen. Insgesamt liegen wir bei einer Versorgungsquote von fast 41 Prozent", sagt Heinz Dieter Vogt.

Was den Kaarstern offenbar zu reichen scheint. Denn, so berichtet die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage zum Jugendhilfeausschuss, obwohl in Kindertageseinrichtungen letztlich nicht alle Anmeldungen befriedigt werden konnten, gebe es auch Anfang Juli keinerlei Nachfragen nach U3-Plätzen. In der Kindertagespflege ständen zum Beginn des neuen Kindergartenjahres noch rund 50 freie Plätze zur Verfügung.

Rein rechtlich gesehen hat ein Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege. Kinder unter einem Jahr können unter bestimmten Voraussetzungen einen Rechtsanspruch geltend machen. Das bedeutet streng genommen, dass 100 Prozent aller Eltern ein- und zweijähriger Kinder einen einklagbaren Anspruch auf einen Betreuungsplatz formulieren können. Weil das in der Realität aber nicht geschieht, nehmen die Kommunen eine prozentuale Schätzung vor. Die Stadt Kaarst ging bisher von einem Gesamtbedarf von 40 Prozent aus.

Insgesamt, sagt Vogt, sei die Situation derzeit schwer kalkulierbar. Obwohl eine erhöhte Nachfrage im Vorfeld zu verzeichnen gewesen war, berichten Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen, dass Eltern von Kindern unter drei Jahren nach Platzzusage von diesen Abstand genommen haben. Eine Erklärung für die Zurückhaltung der Kaarster hat der Erste Beigeordnete nicht. "Ich finde aber, dass das eine gute Nachricht ist." Vor diesem Hintergrund rät die Stadt der Politik jetzt, zunächst die Nachfrageentwicklung abzuwarten, bevor mit Hochdruck eine weitere Kindertageseinrichtung an der Danziger Straße gebaut wird. Entwickelt werden soll ein baulich-architektonischer Entwurf, der die Realisierung der Kita wenn nötig zügig auch abschnittsweise, zunächst als drei- oder viergruppige Einrichtung möglich macht.

(NGZ)