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Kaarst: Gaumitz: "Ikea nicht um jeden Preis"

Kaarst : Gaumitz: "Ikea nicht um jeden Preis"

Morgen besucht NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) Kaarst. Die NGZ sprach mit Grünen-Chef Christian Gaumitz – über das Thema "Gemeinschaftsschule", Grundschulen und die Umsiedlung Ikeas.

Morgen besucht NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) Kaarst. Die NGZ sprach mit Grünen-Chef Christian Gaumitz — über das Thema "Gemeinschaftsschule", Grundschulen und die Umsiedlung Ikeas.

Das schwedische Möbelhaus Ikea will umziehen und sich deutlich vergrößern – unter bestimmten Voraussetzungen. Foto: Lothar Berns

Herr Gaumitz, die Grünen laden für morgen gemeinsam mit der UWG, dem Zentrum, der Familienpartei und der Linken zu einem Abend mit NRW-Familienministerin Sylvia Löhrmann ein. Titel: "Eine Gemeinschaftsschule für Kaarst !?!" Die CDU beantwortet diese Frage mit: "Ja", die SPD hat sich für eine Gesamtschule ausgesprochen. Was sagen die Grünen?

Christian Gaumitz Wir sagen: "Möglicherweise". Wir haben uns nicht festgelegt — auch jetzt noch nicht. Klar ist deshalb auch, dass wir uns, was das Thema "Gemeinschaftsschule" betrifft, auf keinen Fall verweigern. Wir sind durchaus bereit, uns bei der Ministerin für einen entsprechenden Schulversuch in Kaarst einzusetzen, wenn das gewünscht ist. Bauchschmerzen macht uns allerdings der Wunsch der CDU, eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe einrichten zu wollen. Hintergrund ist wohl der, dass man bei der Union unbedingt beide Kaarster Gymnasien retten will. Ich bezweifele, dass das der richtige Weg ist.

Kann man davon ausgehen, dass die Ministerin, wenn sie morgen in Kaarst zu Gast ist, erklärt, wie der "richtige Weg" in Richtung Gemeinschaftsschule aussieht?

Gaumitz Sylvia Löhrmann wird ganz sicher darüber sprechen, worauf man bei der Bewerbung für den Schulversuch achten muss — unter anderem. Außerdem werden Dorothea Schäfer, Vorsitzende der Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung in NRW, und Christa Banisch, Schulrätin im Rhein-Kreis Neuss, auf dem Podium sitzen. Einladungen sind an alle Ratsmitglieder rausgegangen.

Vor der Gemeinschafts- oder Gesamtschule als mögliche Option für Kaarster Viertklässler kommt die Frage nach der richtigen Grundschule. Im Ortsteil Kaarst soll die GGS Stakerseite laut Ratsbeschluss an die Bussardstraße verlegt werden. Die Eltern der Stakerseite haben ein Bürgerbegehren initiiert ...

Gaumitz Wir halten die Ratsentscheidung bekanntermaßen für falsch und unterstützen die Elterninitiative. Klar ist nämlich: Wenn das Bürgerbegehren scheitert und es bei der Entscheidung bleibt, wird spätestens zum Schuljahr 2014/2015 die Bussardstraße der dritte Grundschulstandort im Ortsteil Kaarst sein — neben Grünstraße und Lange Hecke. Für den Kaarster Osten bedeutet das, dass mehr Eltern künftig ihr Kind an der kleinen und dann "aus allen Nähten platzenden" Grundschule an der Grünstraße anmelden werden. Oder dass viele Kinder einen mehrere Kilometer langen Schulweg, sei es mit Bus oder Auto oder Fahrrad, vor sich haben. Dabei steht an der Stakerseite ein Schulgebäude, das laut Gutachten noch einige Jahre nutzbar ist. Sinnvoll wäre es, die tatsächliche Entwicklung der Schülerzahlen in den kommenden Jahren abzuwarten und dann zu entscheiden, wie viele Standorte Kaarst wo in welcher Größe braucht. Eine Grundschule gehört auf jeden Fall in die Stadtmitte.

Ein ganz anderes Thema: die geplante Umsiedlung Ikeas ins neue "Super-Gewerbegebiet" am Kaarster Kreuz. Von den Christdemokraten wird Ihnen vorgeworfen, Sie hätten sich von diesem Projekt bereits verabschiedet. Stimmt das?

Gaumitz Nein, das ist Quatsch. Wir gehen das Thema bloß konstruktiv an. Ikea ist, was die Projektplanung betrifft, sehr unflexibel und darauf wollen wir uns nicht einfach so einlassen. Vor allem die Verkehrsplanung in Bezug auf Verkehrsmengen und Infrastruktur innerhalb des Gewerbegebietes ist aus unserer Sicht noch immer nicht stimmig. Wir brauchen aber als allererstes ein schlüssiges Verkehrskonzept, bevor wir weiter planen können. Dasselbe gilt für die von uns beantragte Szenarien- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, von der wir seit Monaten nichts mehr gehört haben. Die Grünen sind für Ikea in Kaarst — aber nicht um jeden Preis.

In der vergangenen Woche hat das Planungsbüro "Drees & Sommer" die Ausarbeitungen für die Rahmenplanung den zuständigen Ausschüssen des Kaarster Stadtrates vorgestellt. Können Bündnis 90/Die Grünen mit diesem Rahmenplanentwurf leben?

Gaumitz Es gibt da schon einige Punkte, mit denen wir nicht übereinstimmen. Zum Beispiel wollen wir keine Option für Speditions- und Logistikgewerbe im neuen Gewerbegebiet. Wichtig ist uns auch, dass die Verwaltung von einem Stadtplanungsbüro eine separate Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln lässt, die dann für alle weiteren Planungsschritte verbindlich ist.

Julia Hagenacker führte das Gespräch.

(NGZ)