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Kaarst: Garten-Idylle im Verborgenen

Kaarst : Garten-Idylle im Verborgenen

Der Kleingartenverein "Holzbüttger Haus" existiert seit 35 Jahren. Dabei entspricht der Mythos von der "Rentnerkolonie" nicht der Realität. Die versteckt gelegene Anlage wird von allen Generationen bewirtschaftet.

Die Kleingartenanlage "Holzbüttger Haus" liegt so versteckt, dass der Verein in Kaarst und Umgebung kaum bekannt ist. Dennoch existiert er bereits seit 35 Jahren. Der Mythos von der "Rentnerkolonie", in der alles penibel geregelt wird, kein Grashalm schief wächst und der Vorstand permanent durch die Gärten patrouilliert, entspricht nicht unbedingt der Realität, weiß Berndt Lohse, seines Zeichens erster Vorsitzende des Kleingartenvereins.

"Natürlich gibt es einige Richtlinien, die auch regelmäßig inspiziert werden, aber wir stehen diesen Kleingartengesetzen sehr locker gegenüber und kommen unseren Pächtern entgegen", erzählt der 69-Jährige.

Ein Problem: Rehfraß

"Im Prinzip existieren diese Regelungen nur, um den Nachbarn nicht die Sonne zu nehmen und der Öffentlichkeit einen Blick in den Garten zu gewähren", erklärt Doris Fritzsche, Fachberaterin für alle Fragen rund um die Pflanzenwelt der Anlage. "Eine Kleingartenanlage ist kein Campingplatz, wo sich jeder möglichst viel Privatsphäre sichert. Natürlich hat da jeder so seins, aber die Kleingartenanlage ist für alle zugänglich und man möchte den Menschen zeigen, was im Garten alles so möglich ist."

Das Anbauen von Obst und Gemüse, um sich selbst zu versorgen, steht immer noch im Vordergrund. "Doch für uns ist auch der Freizeitwert wichtig", erzählt Lohse, der erst seit Beginn dieses Jahres den Vorsitz des Vereins innehat.

300 bis 400 Quadratmeter sind die Gärten groß. "Wir vereinen alle Generationen in unserer Anlage und das Gemeinschaftsgefühl ist gut", erzählt Lohse. "Es herrscht ein inniger Kontakt zwischen den Nachbarn. Man grillt abends zusammen, lädt sich gegenseitig zu Kaffee und Kuchen ein und betreibt regen Austausch mit Blumenablegern." Den Vorsitzenden reizt an seinem Kleingarten vor allem die Ruhe, die er am Wochenende dort finden kann.

Als Vorsitzender kommt er aber auch mit Problemen in Berührung. "Ich würde mir wünschen, dass wir als Verein mehr und besser von der Stadt wahrgenommen und unterstützt werden", sagt Lohse. "Wir fühlen uns bei allen Problemen, die wir haben, alleine gelassen." Da sei der Rehfraß, der mit einem Zaun schon geregelt werden könne. "Außerdem sind wir auch in Kostenfragen immer auf uns selbst gestellt, was für einen so kleinen Verein sehr schwierig ist."

Den Kontakt zur Stadt Kaarst zu verbessern hat sich der Vorsitzende für die nächsten zehn Jahre vorgenommen. Trotz der kleinen Ärgerlichkeiten sieht er optimistisch in die Zukunft. "Solange wir das Gemeinschaftsgefühl der Kleingärtner so halten oder gar verbesser können, ist alles gut", sagt der Hobbygärtner, der übrigens keinen Gartenzwerg in seiner Parzelle beherbergt.

(NGZ/rl)