Kaarst: Ganztag mit Startschwierigkeiten

Kaarst : Ganztag mit Startschwierigkeiten

In diesem Schuljahr besuchen deutlich mehr Fünftklässler das Einstein- als das Büchner-Gymnasium. Verwaltung und Schulleitung vermuten, dass viele Eltern das GBG-Konzept "Dreimal bis drei" noch nicht angenommen haben.

143 am Albert-Einstein- (AEG), 80 am Georg-Büchner-Gymnasium (GBG). Die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2011/2012 waren eine Überraschung — ein große sogar, weil die Lücke zwischen den beiden Kaarster Gymnasien noch nie so weit auseinanderklaffte.

Das AEG musste sogar Schüler abweisen. Einen möglichen Grund dafür sah Schuldezernent Heinz Dieter Vogt im Frühjahr, als die vorläufigen Zahlen bekanntwurden, in der Einführung eines neuen Schulkonzepts.

Seit dem Schuljahr 2010/2011 ist das GBG ein Ganztagsgymnasium. Das heißt: An drei Tagen pro Woche — montags, mittwochs und donnerstags — wird in Vorst bis 15 Uhr unterrichtet. Mehr als 170 Schüler der Jahrgangsstufen fünf und sechs lernen und leben mittlerweile in diesem Rhythmus.

Dass es Eltern, vor allem in Kaarst, zuweilen noch schwer fällt, das Modell des gebundenen Ganztags zu akzeptieren, hat GBG-Schulleiterin Gisela Saßmannshausen dennoch unlängst wieder beim Tag der offenen Tür gemerkt. "Der Ganztag polarisiert", sagt sie.

"Es gibt viele, vor allem junge Mütter, die das Angebot quasi voraussetzen." In Familien, in denen nur ein Elternteil berufstätig sei, gebe es aber durchaus noch Vorbehalte, Kinder an drei Tagen pro Woche über Mittag in der Schule zu lassen. "Der Ganztag, mit allem, was dazugehört", sagt Saßmannshausen, "ist ein Konzept, das sich etablieren muss."

Fakt ist: Die Landesregierung baut Schritt für Schritt Ganztagsangebote und -schulen aus. Ziel soll es sein, Schülern mehr Bildungschancen zu eröffnen und Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Im Schuljahr 2010/2011 besuchte bereits jeder dritte Schüler in NRW eine Ganztagsschule. Von den jeweiligen Konzepten müssen die Schulen Eltern allerdings vor Ort überzeugen. Am GBG wird dafür einiges getan.

"Dass ein Schultag bis drei eine richtige Mittagspause erfordert, versteht sich von selbst", sagt Saßmannshausen. Am Büchner-Gymnasium ist dafür die sechste Stunde reserviert. In dieser Zeit haben die Fünft- und Sechstklässler die komplett neu gestaltete Cafeteria quasi für sich.

Während der Mittagspause sind nicht nur drei Betreuerinnen, sondern, sondern zusätzlich für jede Klasse auch noch ein Lehrer dabei. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt Saßmannshausen. "Auf diese Weise bietet die Mittagspause nämlich nicht nur Gelegenheit zum klassenübergreifenden Kennenlernen, sondern auch die Möglichkeit, sozial-integrativ tätig zu werden, Konflikte im Ansatz zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken."

(NGZ)
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