Kaarst: Gaby Köster hat den Wahnsinn nicht verlernt

Kaarst: Gaby Köster hat den Wahnsinn nicht verlernt

Die Kölnerin war nach zehn Jahren wieder in Kaarst zu Gast - und so rotzig wie gewohnt.

Im Januar 2008, also vor ziemlich genau zehn Jahren, stellte ein schwerer Schlaganfall das Leben von Gaby Köster auf den Kopf. Viele Fans werden sich noch an ihren letzten Auftritt in Kaarst als Kunstfigur "Rita Kruse" erinnern, bestens bekannt aus der Sendung "Rita's Welt". Im ausverkauften Albert-Einstein-Forum ließ sich die 56-Jährige jetzt zu ihrem Platz begleiten, die Folgen der Krankheit sind immer noch bemerkbar.

War es Koketterie oder echtes "Muffensausen"? Dass die nächste Station ihres Programms "Sitcom" in Paderborn und damit nicht mehr mitten im Rheinland liegt, scheint sie nicht unberührt zu lassen. Zu ihrer Krankheit wurde alles gesagt, geschrieben und gesendet - sie war auch jetzt in Kaarst kein großes Thema mehr.

Spätestens als die Ur-Kölnerin mit ihrem Programm anfing, war sie wieder da, die rotzige Göre mit der großen Klappe. Ihre Spezialität: Geschichten, die das Leben schreibt. Der Datenschutz war ein Thema, genauso wie Versanddienste, besser bekannt als Amazon. Gaby Köster stellte eine Verbindung her: "Wenn man bei Amazon sechs Krimis bestellt, bekommt man direkt noch Angebote für Messer und Müllsäcke."

  • Sitcom in Leverkusen : Gaby Köster ist wieder da

Und was liege in Zeiten des finanziell ausgemergelten Gesundheitssystems näher, als über OP-Sets für zu Hause nachzudenken? Die "Irren" bekommen nach wie vor in Gaby Kösters Programm ihren Raum. So wie die als Autorin und Wissenschaftlerin arbeitende Mutter, die bei der Erziehung ihres Kindes komplett versagt. Selbst die Zahnspange des Jungen sollte aus Holz gewerkelt sein. Dann kam Gaby Köster, die mal eine Ausbildung zur Erzieherin fast abgeschlossen hatte - und der Junge bekam seine Chance.

Was sich nicht geändert hat: Männer heißen bei Gaby Köster immer noch "Dreibeiner", sie sind alles, nur nicht multitaskingfähig. Frauen sind frech und forsch, auch im fortgeschrittenen Alter. "Old ist das neue Gold", lautet das Credo der 56-Jährigen, die über "Trump, den Tuppes" ablästert und über Thomas Gottschalk und dessen sündhaft teuren Haarersatz.

So richtig bizarr wurde es, als Köster sich die neuen Medien vornahm, den "Schwachsinn im Internet". Sie reagierte prompt auf den dort grassierenden Wahnsinn, tritt auf "als sechsfache Witwe mit den Hobbys Pilze sammeln und Kochen" - und wundert sich über mangelnde Resonanz. Die Resonanz in Kaarst war überwiegend positiv, einige Zuschauer beklagten aber, dass es die "alte" Gaby Köster nicht mehr gebe. Allerdings war der Applaus durchaus kein Zeichen für Mitleid, dafür war die Leistung einfach zu gut.

(barni)