Ensemble "Kressiwa" aus Minsk gastierte: Funken der Begeisterung

Ensemble "Kressiwa" aus Minsk gastierte : Funken der Begeisterung

Das Atomkraftwerk in Tschernobyl ist nun abgeschaltet, doch die aus der damaligen Reaktor-Katastrophe resultierenden Folgen lassen sich dagegen nicht so einfach mit einem Knopfdruck aus der Welt schaffen. Die Menschen in Weißrussland leiden weiterhin unter dem Desaster und seinen Spätfolgen.

Ihnen wird geholfen, nicht von der postkommunistischen Regierung, sondern von außerhalb. Dafür sind sie dankbar, und um dieser Dankbarkeit auch Ausdruck zu verleihen, reist derzeit das weißrussische Gesangs-Ensemble "Kressiwa" durch Deutschland. Die Sängerinnen und Sänger geben an den Orten Konzerte, an denen sich Tschernobyl-Initiativen gebildet haben. Jetzt trat das Ensemble "Kressiwa" (übersetzt bedeutet dies: "Feuerstein") in der Johanneskirche auf, wobei die fünf Sängerinnen und Sänger ihrem Namen alle Ehre machten. Denn der Funke der folkloristischen Lieder sprang schnell auf die zahlreichen Besucher über und entfachte bei ihnen ein Feuer der Begeisterung.

Das gesangliche Repertoire der Gruppe hatte dem Publikum die unterschiedlichsten Lieder zu bieten - von klassischer und moderner christlicher Gesangskultur über heitere, lustige Alltagslieder bis hin zu tief philosophischen und zugleich lyrisch-poetischen russischen Romanzen. Passend zur Jahreszeit durften natürlich auch weißrussische Weihnachtslieder nicht fehlen, die die Zuhörer mit ganz anderen Weihnachtsbräuchen vertraut machten. Den Musikern war es generell, wie sie selber sagten, ein großes Anliegen, "dass die Besucher durch die einzelnen Lieder von der Kultur, den Sitten, Bräuchen und der Geschichte" des fernen Landes erfuhren. So sah sich das Publikum während des gesamten Konzerts mit den verschiedensten Festlichkeiten und Gesellschaften konfrontiert.

Tragend, melancholisch erschien da zum Beispiel eine alte Volksweise, die von dem früheren Zarenreich erzählte, in dem die jungen Männer 20 Jahre lang Militärdienst leisten mussten und auf Grund dieser Verpflichtung oftmals von ihrer Geliebten weggerissen wurden. Anders dagegen der fidele, temperamentvolle Gesang, der dem Publikum den vergeblichen Kampf eines Bauern mit einem Kranich vor Augen führte, der ihm die Saat ausfraß. Die Musiker beeindruckten durch ihr gesanglich anspruchsvolles Niveau.

Nicht umsonst erreichte das Ensemble 1994 den ersten Preis beim internationalen Folklore-Festival und ist seitdem weit über die Grenzen von Belarus bekannt. Die einzelnen Stimmen verfügten über die notwendige Klarheit und das Volumen und meisterten selbst schwierigste Passagen in sicherer Manier. Für das Publikum in der Büttgener Johanneskirche war der Abend eine wundersame Begegnung mit einer fremden Kultur, für die es sich mit großem Beifall zu bedanken wusste. HDH