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Kaarst: "Fluglärm macht uns krank"

Kaarst : "Fluglärm macht uns krank"

Lothar Heyer und Jürgen Lämke leben "im Fadenkreuz" des Düsseldorfer Flughafens. Seit Jahren kämpfen sie für eine konsequente Einhaltung der Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr, unter anderem. Ein Erfahrungsbericht.

Hätte Lothar Heyer 1999, als er aus Neuss wegzog und sein Haus am Nelkenweg erstand, geahnt, dass er sich irgendwann einmal so unwohl in seinem eigenen Heim fühlen würde — er hätte wohl eine andere Entscheidung getroffen: gegen den Umzug und gegen Kaarst. Damals, sagt er, sei ihm der Ernst der Lage nicht bewusst gewesen, und mit "Lage" meint er nicht jene im übertragenen Sinn. Heyers Eigenheim liegt direkt "im Fadenkreuz" des Düsseldorfer Flughafens. Dort also, wo der Fluglärm in Kaarst am belastendsten ist.

Im Sommer mag der gelernte EDV-Fachmann und Musiker deshalb nicht mehr draußen im Garten sitzen — weil alle zwei bis fünf Minuten ein startendes oder landendes Flugzeug am Himmel auftaucht. Durchschnittlich 70 dBA hat Heyer mit einem speziellen Messmikrofon ermittelt. Das ist ungefähr so laut, als wenn ein Staubsauger in einem Meter Entfernung staubsaugt. "Mittlerweile", sagt er, "machen wir tagsüber alle Fenster und Türen zu. Wir fühlen uns gefangen in unserem eigenen Haus."

Dass der Fluglärm in Kaarst in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, empfindet auch Jürgen Lämke so. Sein Heim liegt am Hanauer Weg. "Ich bin in Kaarst aufgewachsen", sagt er. "Deshalb kann ich sagen: Etwa bis Anfang der 1980er Jahre war das Problem nicht so akut." Das habe vor allem etwas mit den Flugbahnen zu tun. "Bei Ostwind und sogar bei schwachem Westwind wird heute über Kaarst hinweg gelandet. Der Flughafen spricht von 20 Prozent, tatsächlich sind es 35 bis 40."

Das Schlimmste, sagen Heyer und Lämke unisono, sei allerdings die Dauerbelastung. Heyer hat früher Lautsprecher gebaut. Mit Akustik und Lautstärke kennt er sich also aus. "Nachts", sagt er, "liegt der Messwert weit über der zulässigen Lärmbelastung für Wohngebiete. Das zerrt an den Nerven und der Gesundheit." Grundsätzlich verboten sind die späten Flüge wohlgemerkt nicht.

Den sogenannten Home Base-Carriern, das sind die Fluggesellschaften, die ihre Maschinen in Düsseldorf warten und reinigen, ist es erlaubt, bis Mitternacht zu landen, sofern die Bezirksregierung eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Aus Sicht von Lämke und Heyer tut sie das viel zu oft. Sie fordern die Einhaltung des Angerland-Vergleichs und eine konsequente Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr. "Sonst", sagt Heyer, "kommt es womöglich bald dazu, dass die Menschen aus der Stadt flüchten. Wenn ich umziehen könnte — ich hätte es schon getan."

(NGZ/rl)