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Kaarst: Firmen fragen EU-Politiker

Kaarst : Firmen fragen EU-Politiker

Karl-Heinz Florenz, Abgeordneter im EU-Parlament, hat sich am Montag das Europa-Kunstwerk in Büttgen angeschaut. Die NGZ ihm Fragen übermittelt – gestellt von Mitgliedern der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Kaarst.

Karl-Heinz Florenz, Abgeordneter im EU-Parlament, hat sich am Montag das Europa-Kunstwerk in Büttgen angeschaut. Die NGZ ihm Fragen übermittelt — gestellt von Mitgliedern der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Kaarst.

Angelika Tomm gründete die private Kita "Mäusebande". Foto: Privat

Seit 1989 sitzt Karl-Heinz Florenz im Europaparlament. Politische Hauptaufgabe in der Europapolitik ist für den Christdemokraten seither die Integration wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Interessen. Dass die funktioniert, ist vor allem für den Mittelstand wichtig. Gestern besuchte Florenz Kaarst, um sich das Europa-Kunstwerk am Büttgener Kreisverkehr anzuschauen. Die NGZ hat die Gelegenheit genutzt, um dem EU-Abgeordneten Fragen zu übermitteln — gestellt von Mitgliedern der MIT Kaarst.

Heijo Drießen ist Ehrenvorsitzender der MIT Kaarst. Foto: mreu

Daniel Plum Herr Florenz, unsere Kunden reisen in Europa schrankenlos und können überall mit dem Euro als Währung bezahlen. Wie sehen Sie die Auswirkungen eines instabilen Euros auf unsere Wirtschaft und können Sie sich Urlaub in Griechenland mit einer neuen Drachme vorstellen? Florenz Unser Währungsproblem heißt nicht "Euro", sondern — in vielen Ländern — "unsolide Währungspolitik". Das heißt für Deutschland: Wir müssen konsolidieren und sehen, dass wir wettbewerbsfähig bleiben beziehungsweise dafür sorgen, dass andere wettbewerbsfähig werden, also produzieren und exportieren. Wenn das nicht gelingt, wird es mit Griechenland schlecht aussehen. Dass es möglicherweise irgendwann eine Drachme gibt, ist überhaupt nicht mein Wunsch, aber ausschließen kann man es auch nicht. Ich glaube, dass sich in den nächsten drei Monaten entscheiden wird, was geschieht.

Karl-Heinz Florenz (l.) mit Franz-Josef Moormann am Kunstwerk. Foto: lber

Heijo Drießen Europa besteht nicht nur aus Metropolen. Ländliche Räume zu stärken, ist auch eines der Ziele der EU. Wie bewerten Sie die neuen Regelungen der "Ziel 2 Förderung" (Strukturförderung der EU) und was könnte man besser machen? Florenz Ich würde die gesamte Förderungspolitik in Europa komplett verändern, denn im Grunde ist sie nichts anderes als eine Geldverteilungseinrichtung — mit der Konsequenz, dass wohlhabende Regionen wie der Niederrhein am Ende zahlen. Die größte Sorge, die ich habe, ist, dass alles irgendwann nur noch in den Kohlenpott fließt. Wenn es nach mir ginge, würde ich deshalb nur noch in echten Notlagen europäische Mittel zur Verfügung stellen und lieber mehr Geld beim Land lassen, bei dem sich der Bürgermeister dann zum Beispiel seine Zuschüsse für Projekte holt.

Andrea Müller leitet die Geschäfte bei "Hoffmann Verpackung". Foto: lber

Andrea Müller Wir liefern Verpackungen nach ganz Europa, aber wir stehen auch im Wettbewerb mit anderen europäischen Konkurrenten. Da sind Standortunterschiede Wettbewerbsfaktoren. Wie stehen Sie zu einer europäischen Wirtschaftsregierung? Florenz Die Wirtschaftsregierung muss kommen, das haben wir in den vergangenen eineinhalb Jahren gesehen. Das Problem ist, dass bei der Einführung des Euros keine wirtschafts- und finanzpolitischen Instrumente entwickelt wurden, die auch Zähne haben. Der Stabilitätspakt war eine miserable Notlösung. Für den deutschen Mittelstand wird eine Wirtschaftsregierung bedeuten, dass die Spielregeln fairer werden.

Angelika Tomm Unsere Kinder sind das Kapital der Zukunft in Europa? Aber als private Kindertagesstätte ist es schwierig, gegen den Staat zu konkurrieren, obwohl wir flexibler und kundenbezogener sind. Wie viel Staat muss denn in Europa sein? Florenz Ich bin nicht in der Lage, eine Schnittstelle zu definieren, wie weit der Staat gehen muss. Klar ist aber die Bedeutung der Kinder für Europa. In diesem Zusammenhang ist Bildung "die" Forderung. Wir alle müssen das Bewusstsein dafür schärfen, dass es damit ganz früh losgeht und dass es mittlerweile andere Wege gibt. Ich bin sehr für Vielfalt in diesem Bereich.

(NGZ)