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Kaarst: Familienhilfe baut neues Förderzentrum

Kaarst : Familienhilfe baut neues Förderzentrum

Für 1,2 Millionen Euro entsteht auf dem Gelände der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe in Büttgen ein Neubau für die Abteilung "Bildung und Erziehung". Für das Publikum soll das barrierefreie Haus besser zugänglich sein.

Ein Zuhause, in dem sich alle lieb haben — das ist nicht selbstverständlich, schon gar nicht für die Kinder, die im Büttgener Wohnheim der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe leben. Gestern, bei der Grundsteinlegung zum neuen Förderzentrum an der Römerstraße, haben sie deshalb Kärtchen mit ganz persönlichen Wünschen für das Haus und dessen künftige Bewohner mit Luftballons in den Himmel geschickt. Sie sollen Glück bringen.

Burghard Asche, der seinen Job als Geschäftsführer der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe gGmbH Kaarst am 1. April an Detlef Wiwcha übergeben hat und nun als Kopf des Evangelischen Vereins für Jugend- und Familienhilfe das Projekt "Förderzentrum" leitet, ist zuversichtlich, dass das, was er seit zehn Jahren plant, gut wird. "Wir machen einen weiteren wichtigen Schritt in die Zukunft", sagt er.

Die Familienhilfe, die im Rheinland, am Niederrhein und im Ruhrgebiet aktiv ist und ihren Sitz in Büttgen hat, unterstützt Kinder, Jugendliche und deren Familien in familiären Notsituationen — mit dezentralen, eigenverantwortlich arbeitenden Abteilungen und großem Erfolg. Mit ihren Angeboten, das sind in erster Linie Wohngruppen, flexible Erziehungshilfen und Tagesgruppen, gehört sie zu den größten Trägern von Jugendhilfeeinrichtungen im gesamten Rheinland. In Kaarst ist sie mit 620 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Vor Ort präsent zu sein, ohne laut aufzutreten und dabei im Kleinen zu schauen, was die gesellschaftlichen Aufgaben sind — das, sagt Asche, sei das Konzept der Jugend- und Familienhilfe. Und das wiederum setze eine gewisse Flexibilität bei der Planung eines Neubaus voraus.

Auf dem Gelände in Büttgen, auf der ehemaligen Obstwiese, entsteht deshalb jetzt ein "Riegelanbau" in "L"-Form — mit einem zur Römerstraße gewandten, für die Öffentlichkeit gut zugänglichen Verwaltungstrakt und einem von hinten separat begehbaren Wohnbereich. Der besteht aus fünf kleinen, barrierefreien Wohnungen. Dort sollen Jugendliche einziehen, die das Alleineleben üben. "Wenn der Bedarf da ist, könnte man diese Räume irgendwann aber auch zu einem Mehrgenerationenhaus umfunktionieren", sagt Asche. "Das meine ich mit Flexibilität."

Untergebracht wird im neuen Förderzentrum die gesamte dem Verein zugeordnete Abteilung "Bildung und Erziehung", zu der zum Beispiel die "Frühen Hilfen" gehören. Auch die für das Babybegrüßungspaket und die Angebote im offenen Ganztag zuständigen Mitarbeiter werden an der Römerstraße zu finden sein.

"Niederschwellig" ist das Stichwort, das in diesem Zusammenhang die wichtigste Rolle spielt. "Mit diesem Schritt — weg von unserem ursprünglichen Aufgabenbereich — wollen wir weiter verstärkt in die Prävention gehen", sagt Asche. "Die Familienhilfe ist nicht nur dort, wo die Konflikte schon vorhanden sind."

Rund 1,2 Millionen Euro soll der Neubau kosten — größtenteils finanziert aus Sponsorengeldern. "Dieses Haus", sagt Asche, haben wir uns erspart — zehn Jahre lang."

(NGZ/EW)