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Kaarst: Fall "Mirco" als Vorbild für Ermittler nach Mord an der Landstraße?

Kaarst : Fall "Mirco" als Vorbild für Ermittler nach Mord an der Landstraße?

Der zehnjährige Mirco wurde im September 2010 an einer Landstraße bei Grefrath entführt und getötet. Auch damals gab es kaum Spuren.

Einen Monat nach dem Mord an einer Landstraße bei Büttgen könnte der "Fall Mirco" möglicherweise zum Vorbild für die Ermittler werden. Der zehn Jahre alte Mirco war im September 2010 an einer Landstraße bei Grefrath entführt, verschleppt und getötet worden. Der Fall konnte letztlich durch akribische Polizeiarbeit gelöst werden — diese ist nun wohl auch im Fall "Daniel D." gefragt.

Foto: Raupold, Isabella (ikr)

"Natürlich sind uns die Ermittlungsmethoden im Fall Mirco bekannt", sagt auch der zuständige Staatsanwalt Matthias Ridder, "das haben wir selbstverständlich im Hinterkopf, wie auch andere frühere Verfahren." Damals hatte Chefermittler Ingo Thiel auch Monate nach der Entführung des Jungen noch betont, den Täter "irgendwann zu kriegen". Dabei war die Spuren- und Hinweislage äußerst dürftig: Zeugen hatten im Bereich des Tatortes einen dunklen VW Passat Kombi gesehen, weder das Kennzeichen noch der Fahrer waren bekannt. Doch Thiel und seine Kollegen der zuständigen Mordkommission gaben nicht auf und konnten dank der im Tatortbereich erfassten Handydaten ermitteln, welche Halter eines entsprechenden Autos sich zur Tatzeit dort aufgehalten hatten.

So geriet letztlich auch der Familienvater aus Schwalmtal ins Visier der Polizei, der am Ende auch den Mord an dem kleinen Jungen vor Gericht einräumte. Ähnliche Voraussetzungen hat nun auch die Mordkommission "Mühle". Denn: Zur Tatzeit wurde am Tatort ein silberner VW Golf gesehen. Die Ermittler können anhand erfasster Handydaten schauen, welche Halter eines entsprechenden Fahrzeugs etwa gegen 22.15 Uhr in der Tatnacht in diesem Gebiet eingeloggt waren. "Wir werden alle entsprechenden Ermittlungsansätze ausschöpfen", kündigt Staatsanwalt Matthias Ridder an, "wobei grundsätzlich zu laufenden Ermittlungen keine näheren Angaben gemacht werden können".

Auch wenn es sich beim VW Golf, genauso wie im Fall "Mirco", um ein weit verbreitetes "Allerweltsauto" handelt, stehen die Chancen durchaus gut, den Täter zu fassen. "Wir haben immer gesagt, wir kriegen den Täter und am Ende hatten wir ihn", so Ingo Thiel, Leiter der Sonderkommission "Mirco". Mehr als 100 000 VW Passat des gesuchten Typs mit der entsprechenden Ausstattungsvariante waren zur Tatzeit in Deutschland zugelassen, der Wagen des letztlichen Täters war ein Firmen-Fahrzeug der Telekom mit Münsteraner Kennzeichen. Obwohl der Familienvater den Passat nach Ablauf des Leasings zwei Monate nach der Tat abgegeben hatte und in der Zwischenzeit ein anderes Auto fuhr, konnte ihm der Wagen noch nachträglich zugeordnet werden — die Polizei hatte ihn im Ausland ausfindig gemacht.

Im Verhör gab der Halter des Autos die Tat letztlich zu. Auf einen ähnlichen Erfolg hoffen nun auch die Fahnder im Fall "Daniel D.". Gut möglich, dass es Monate dauern wird, bis sie alle Golf-Halter überprüft haben, deren Handy zur Tatzeit rund um den Tatort im Mobilfunknetz eingeloggt war.

(NGZ)