Kaarst: Erschließungsvertrag für Ikea besiegelt

Kaarst : Erschließungsvertrag für Ikea besiegelt

Die Bauarbeiten für die neue Brücke über den Nordkanal und die L 390 können beginnen. Auf der Internationalen Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real in München unterzeichneten Kreis, Stadt und Ikea den Erschließungsvertrag.

Der Vorlauf war lang - fast 15 Jahre -, doch jetzt rollen bald die Bagger für den Bau des neuen Ikea-Standortes in Holzbüttgen an. Im ersten Schritt wird eine Erschließungsstraße für das Gewerbegebiet am Hüngert angelegt.

Den entsprechenden Vertrag unterzeichneten Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Kreis-Wirtschaftsdezernent Jürgen Steinmetz, Bürgermeister Franz-Josef Moormann und Johannes Ferber, Geschäftsführer der Ikea Verwaltungs-GmbH, jetzt am Rande der Internationalen Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real in München. Bereits Ende Oktober sollen die ersten Bauarbeiten an der Kreisstraße 37n beginnen. Im April ist dann Baustart für die sogenannte "Ohrenbrücke", die den Ikea-Verkehr zur Autobahn ableiten soll.

Der Vertrag für den Bau der Erschließungsstraße wurde nötig, weil sich das Land im vergangenen Jahr aus der Finanzierung verabschiedet hatte. Die Gesamtkosten für die Kreisstraße 37n sollen sich auf rund 15 Millionen Euro belaufen. Straßenbaulastträger ist der Kreis, der zunächst 40 Prozent der Kosten (rund sechs Millionen Euro) übernehmen sollte. Für die verbleibenden neun Millionen Euro hatten alle Beteiligten fest mit einem Zuschuss des Landes gerechnet. Die Landesregierung jedoch überarbeitete ihre ihre Prioritäten für Straßenbauvorhaben und strich den Zuschuss.

Um ein Scheitern des Ikea-Umzugs in Kaarst zu verhindern, wurde nachverhandelt. Das Ergebnis: Jetzt übernehmen die drei Vertragspartner jeweils ein Drittel des Anteils, den das Land eigentlich beisteuern sollte. "Für Kaarst und den gesamten Kreis ist das Projekt von großer Bedeutung, das konnten wir nicht scheitern lassen", sagt Petrauschke, der trotz der erzielten Lösung das Land weiter auffordert, sich an den Kosten zu beteiligen: "Man kann nicht über Wirtschaftsförderung reden und sich dann, wenn es ernst wird, zurückziehen."

Moormann betont, dass im Vorfeld des Baustarts geklärt worden sei, dass die vorhandenen Unternehmen am Hüngert durch die Arbeiten so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Die Firma Hoffmann-Verpackung zum Beispiel hatte Bedenken geäußert, weil sie Erschütterungen mit negativen Auswirkungen auf ihr Hochregallager fürchtete. "Alles geregelt", sagt Moormann.

Die Bauarbeiten könnten wie geplant beginnen. Im Frühjahr oder Frühsommer will Ikea dann, parallel zum Bau der Brücke, auch mit den Hochbauarbeiten für das neue Möbelhaus starten. Johannes Ferber betont bei der Messe in München noch einmal den Pilot-Charakter des Projekts: "Das wird keine blau-gelbe Kiste. Wir wollen alle neuen und zukunftsweisenden Lösungen und Verfahren nutzen, die für einen nachhaltigen Möbelhausbau denkbar sind." Entstehen soll ein "einmaliges Gebäude", das Aufmerksamkeit weit über Kaarst hinaus erregen soll. "Ich bin mir sicher, dass wir nach der Fertigstellung viele internationale Gäste durch das Gebäude führen werden", sagt der Geschäftsführer der IkeaVerwaltungs-GmbH. Wann genau das sein wird steht noch nicht fest, Ikea rechnet aber mit einer Eröffnung im Sommer 2016. "Je früher desto besser", sagt Ferber.

Im kommenden Frühjahr will Ikea den Bauantrag einreichen. 2015 soll dann auch bekanntgegeben werden, wie viele Menschen in dem neuen Haus mit 25 500 Quadratmeter Verkaufsfläche arbeiten werden. "Das Stammpersonal aus dem alten Standort in Kaarst ist dabei - und dann werden wir aufstocken", kündigt der Ikea-Manager an. Rund 70 Millionen Euro will das schwedische Unternehmen für die Standortverlagerung investieren. Davon, so Ferber, könnten auch Unternehmen aus der Stadt und der Region profitieren.

Die Arbeiten sollen nicht an einen Generalunternehmer vergeben, sondern beschränkt und in 25 bis 30 Gewerke-Pakete geteilt ausgeschrieben werden. "Damit haben wir in anderen Projekten gute Erfahrungen gemacht", sagt Ferber. Ikea will Unternehmen aus Kaarst und der Region ausdrücklich ermuntern, sich um die Aufträge zu bewerben. Dazu soll es - gemeinsam mit der Stadt - eine eigene Infoveranstaltung geben.

(NGZ)
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