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Kaarst: Ersatzpapa für 1018 Gänse

Kaarst : Ersatzpapa für 1018 Gänse

Auf dem Geflügelhof Küppers in Kaarst tapsen rund 1000 kleine Gänse im Stall umher. Geflügelzuchtmeister Martin Küppers kümmert sich persönlich um das allgemeine Wohlbefinden der niedlichen Schnabeltiere.

Sobald die schwere Tür der Scheune auf dem Geflügelhof Küppers aufgeht, hört man es quietschen und trappeln, als wenn es sanft auf das Dach regnen würde. Dabei sind es 2036 kleine Gänsefüßchen, die über das Stroh flitzen. "Sie sind aus Westfahlen gekommen und vor kurzem erst geschlüpft", erzählt Geflügelzuchtmeister Martin Küppers, der sich seitdem persönlich um die rund 1000 Gänsebabys auf seinem Hof kümmert. "Das ist eine gefährliche Zeit, wenn sie noch Küken sind, denn jetzt entscheidet sich, welches Tier lebensfähig ist und welches nicht. Wenn eine Gans eingeht, dann in dieser Zeit", erklärt der 45-Jährige.

Um das zu verhindern, setzt er auf Spezialfutter und gründliche Pflege, durch die er durchaus ein persönliches Verhältnis zu seinen Gänsen aufbaut. "Ich lasse mir extra sogenanntes Gänsestarter-Futter produzieren. Da ist viel Weizen, Mais und Sojaschrot drin, und es ist sehr energiereich", erklärt der Experte. "Außerdem müssen auch die äußeren Begebenheiten stimmen. Gerade in der Anfangszeit muss es sehr warm sein. Wir fangen bei 30 Grad an und verringern die Temperatur pro Woche um 2 Grad", sagt er. Wenn sie dann gewachsen seien und sich die Temperatur im Stall nicht mehr allzu sehr von der draußen unterscheide, werden die Küken tagsüber auf die Wiese gelassen.

Daran, dass ihm keine Gänse eingehen, hat Martin Küppers letztendlich ein wirtschaftliches Interesse: Wenn sie groß geworden sind, enden sie im November und Dezember als Martins- oder Weihnachtsgänse. "Wir schlachten selbst", betont er, weil das für die Tiere unnötigen Stress vermeide und sie sich sonst womöglich noch verletzen könnten. "Bis es soweit ist, wollen wir ihnen eine schöne Zeit machen."

Aus den kleinen, flaumigen gelb-grauen Gänsebabys werden zwar sehr schnell große weiße Gänse, aber bis dahin sind sie eine Attraktion für ganz Kaarst. "In den nächsten Tagen kommen ganz viele Kindergartengruppen und Grundschulklassen zu Besuch, um sich die Tiere anzusehen", erzählt Küppers. "Meine Schwägerin ist Tierärztin und erklärt den Kindern dann viel zu den Gänsen und wie sie hier auf dem Hof leben. Ihre kleinen Zuhörer sind dann immer ganz fasziniert."

Das geht aber nicht nur den Kindern so. Auch seine eigenen Freunde und nicht zuletzt ihn selbst verzaubern die Gänsebabys jedes Mal aufs Neue: "Das ist schon schön, wenn sie neugierig auf mich zu laufen und mir hinterherrennen, wenn ich Futter und Wasser kontrolliere", erzählt der 45-Jährige, den die Gänsekinder bereits ganz als "Ersatzpapa" akzeptiert haben. "Ich rede viel mit den Kleinen, damit sie sich gut aufgehoben fühlen und sich auch an meine Stimme gewöhnen", sagt Küppers. "Das kann sehr hilfreich sein, wenn man sie später von der Wiese wieder in den Stall rufen muss."

Noch sind die Gänsekinder aber nicht soweit. Sie sind gerade mal 100 Gramm schwer und müssen erst noch groß und stark werden. In ungefähr zwei Wochen verlieren sie aber bereits ihren Flaum und bekommen Federn: "Dann sind sie auch nicht mehr so süß", sagt Martin Küppers.

Bis dahin werden sie aber noch jede Menge Herzen dahinschmelzen und ihren "Papa" noch ein paar Mal mehr im gelb-grauen Gänsemeer baden lassen.

(NGZ)