Kaarst: Eine Generation, die weiß, was sie isst

Kaarst : Eine Generation, die weiß, was sie isst

In der Benedictus-Kita lernen Kinder, woher ihr Essen kommt, indem sie es selber anbauen. Angeleitet werden sie dazu von dem gemeinnützigen Verein Ackerdemia und seiner Gemüseackerdemie.

Jonas kennt sich aus. Ohne lange zu überlegen, benennt er die verschiedenen Gemüsesorten, die vor ihm und 14 weiteren Kindern der Benedictus-Kita auf einer kleinen Kiste ausgebreitet liegen. Nur beim Fenchel hapert es noch ein bisschen, aber das soll sich bald ändern. Denn Jonas und die restlichen Kinder werden ab sofort auf einem eigenen Acker im Garten der Kita 15 verschiedene Gemüsesorten anbauen, sie großziehen - und am Ende auch verspeisen. Angeleitet werden sie von Fachleuten der "Gemüseackerdemie", die dabei helfen, die Sinne der Kinder für die Natur zu schärfen.

Die "Gemüseackerdemie" ist ein Jahresprogramm, das in Kitas und Schulen Lernräume schafft, in denen Kinder ein grundlegendes Verständnis für natürliche Prozesse bekommen sollen. Ziel ist es, die Wertschätzung für Lebensmittel zu steigern. Durch den Anbau, die Ernte und das Verarbeiten von Gemüse lernen Kinder landwirtschaftliches Grundwissen und erfahren den Verlauf eines Ackerjahres.

"Wir sind ein katholisches Familienzentrum. Zu unseren bisherigen Schwerpunkten Religionspädagogik und Bewegung ist im vergangenen Jahr auch noch Ernährung hinzugekommen", erklärt Kita-Leiterin Jutta Bücheleres, weshalb die "Gemüseackerdemie" bestens zum Leitbild der Kita passt. Was eine Kollegin in Form eines Gemüsebeetes schon vor Jahren im Kleinen begonnen hatte, soll nun durch einen rund 60 Quadratmeter großen Acker professionell fortgeführt werden. "Wir wollen den Kindern nachhaltig den Schöpfungsgedanken näherbringen, dass alles behutsam, mit Ehrfurcht und Respekt behandelt werden soll und ihnen zeigen, dass man etwas tun muss, bis man Gemüse essen kann", erklärt Edgar Nowack vom Kirchenvorstand der St. Martinusgemeinde. Heutzutage werde in den Familien seltener solches Wissen vermittelt, darum wolle die Kita diese Lücke schließen und ein Bewusstsein dafür schaffen, wo einige Lebensmittel herkommen. "Manche Kinder denken doch wirklich, dass die Erdbeeren aus der Schale im Supermarkt kommen", sagt Gerda Junkers-Muck von der Bürgerstiftung, die die Teilnahme an dem Programm finanziert.

Alles, was die Kinder brauchen, um selbst ihr Gemüse anzubauen, stellen die Vertreter der Gemüseackerdemie zur Verfügung. Dazu gehört Saatgut, ebenso wie die Hilfe bei der Einrichtung des Ackers. "Die Idee dahinter ist, dass das Ackerteam die Kinder und Erzieher anleitet, und diese dann irgendwann selbstständig ihren Acker bewirten können", erzählt Agraringenieurin Annette Bartmer, die allein im Rheinland 46 Standorte betreut. Auf Fortbildungen und mit Bildungsmaterialien eignen sich die Erzieher dann so viel Wissen an, dass sie einen Acker fachlich und pädagogisch selbst betreuen können.

(NGZ)
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