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Kaarst: Eine Gastvikarin aus Indonesien

Kaarst : Eine Gastvikarin aus Indonesien

Im Rahmen eines Jugendaustauschprogramms der Vereinten Evangelischen Mission verbringt Oinike Natalia Harefa derzeit vier Monate in Kaarst.

Seit zwei Monaten hospitiert Oinike Natalia Harefa in der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst als Gastvikarin. Im Rahmen eines Jugendaustauschprogramms der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) verbringt die Indonesierin etwas mehr als ein Jahr in Deutschland. Ihre erste Station war die Stiftung Himmelsfels in Kassel, nun verbringt sie vier Monate in Kaarst.

Die 25-Jährige kann sich bereits gut auf Deutsch verständigen. Vor Antritt ihrer Reise lernte sie zwei Monate zu Hause, und auch jetzt besucht sie weiterhin Kurse bei der Volkshochschule. "Ich möchte die europäische Kultur und die Spiritualität der Menschen hier kennenlernen. Es ist überhaupt meine erste Auslandserfahrung", sagt Oinike Harefa.

In der Gemeinde kommt sie mit allen Generationen in Kontakt. Im Jugendcentrum Holzbüttgen und im Haus Regenbogen spielt sie mit Kindern, im Konfirmandenunterricht arbeitet sie mit Jugendlichen zusammen, und im Haus der Senioren macht sie mit den Besuchern Gedächtnistraining, singt oder malt mit ihnen. Selbstverständlich gehören auch die geistlichen Aufgaben zu Harefas Praktikum in der evangelischen Kirchengemeinde. Sie begleitet Pfarrerin Maike Neumann zu Trauergesprächen und bereitet mit ihr Gottesdienste vor.

Vor allem im Umgang mit dem eigenen Glauben liege der Unterschied zwischen deutschen und indonesischen Protestanten, meint Oinike Harefa. "Die Deutschen leben als Christen, auch ohne sich verpflichtet zu fühlen, immer in die Kirche zu gehen. In Indonesien dagegen ist das selbstverständlich", sagt sie. Darum ist die Kirche ihrer Gemeinde Banua Niha Keriso Protestan auf der Insel Nias jedes Mal voll. Drei Sonntagsgottesdienste werden dort gefeiert: für die Jugend mit viel lauter Musik, für die Erwachsenen auf Indonesisch und für die Senioren in der Inselsprache Nias. Zwischen 500 und 800 Menschen besuchen jeden dieser Gottesdienste. Insgesamt zählt die Gemeinde 3000 Mitglieder, der Evangelische Kirchenkreis Gladbach-Neuss sammelt regelmäßig eine Kollekte für sie.

Bei 88 Prozent Muslimen in Indonesien sind die Christen in der Minderheit. Auf Oinike Harefas Heimatinsel Nias dagegen sind Protestanten und Katholiken stark vertreten. Den Tag der Ankunft deutscher Missionare aus Wuppertal, den 27. September 1865, kennt dort jeder — schließlich ist das Datum auch ein wichtiger Feiertag der Kirche. Ende Februar kehrt Oinike Harefa in ihre Heimat wieder zurück, um ihre Ausbildung zur Pfarrerin fortzuführen.

(NGZ/ac)