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Kaarst: Ein Turm aus 150 Autos

Kaarst : Ein Turm aus 150 Autos

Der Kaarster Dachdecker Frank Jülich will einen Turm aus 150 Mercedes-E-Karosserien bauen. Kostenpunkt: 135 Millionen Euro. Um einen Geldgeber zu finden, reist Jülich kommende Woche nach Dubai, Abu Dhabi und Bahrain.

Der Kaarster Dachdecker Frank Jülich will einen Turm aus 150 Mercedes-E-Karosserien bauen. Kostenpunkt: 135 Millionen Euro. Um einen Geldgeber zu finden, reist Jülich kommende Woche nach Dubai, Abu Dhabi und Bahrain.

Holzbüttgen Eine Unterwasser-Reibekuchenbude, ein 13 Meter großer Osterhase, der aus vielen Tausend Stofftieren besteht — wer solche Ideen umsetzt, muss schon ein wenig abgedreht sein. Und das ist er auch: Frank Jülich (47), Dachdecker aus Holzbüttgen, bezeichnet sich selbst als "Mr. Mondän". Er ist einer der Menschen, die man am ehesten als "angenehm bekloppt" charakterisieren würde — mit einem guten Schuss Kreativität.

Wie kommt jemand dazu, solche abgefahrenen Ideen in die Tat umzusetzen? Jülich erklärt: "Dachdecken mache ich seit 28 Jahren, das kann ich mittlerweile mit verbundenen Augen." Er will Neues ausprobieren — auch, wenn seine Ideen oft zum Gigantischen neigen. Sein neuestes Projekt: "Ich werde einen 60 Meter hohen Turm aus 150 Mercedes-Karosserien bauen." Kostenpunkt: 135 Millionen Euro. Wie ein gigantischer Weihnachtsbaum soll sein Kunstwerk aussehen. Auf der Spitze will der vor Ideen sprühende Dachdecker eine riesige Kugel installieren. Darin soll ein Restaurant die Gaumen der Gäste verwöhnen. "Drei Aufzüge werden die Menschen nach oben und unten fahren", plant der Dachdecker. Damit der Riesen-Baum auch weihnachtliches Flair zur rechten Zeit versprüht, ist die Planung klar: "Am 1. Dezember 2012 geht die erste Lampe an", kündigt Frank Jülich an.

Klar, dass die jüngsten Pläne von Mister Mondän für das beschauliche Kaarst eine Nummer zu groß sind. Auch finanziell: In Kaarst sind die Kassen leer. Daher hat sich Jülich bereits vor einigen Wochen nach Dubai aufgemacht und die ersten Vorgespräche mit einem Mitarbeiter von Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum geführt. Doch in Dubais Stadtsäckel sind seit Neuestem weitaus weniger Dirhams als bislang üblich. Das wirtschaftliche Wunderland hat selbst finanziell zu knapsen.

Für Frank Jülich kein Grund, aufzugeben: "Ich fliege in der kommenden Woche mit Dolmetscher und Statikexperten los", kündigt er an. Seine Ziele: Dubai, Bahrain und Abu Dhabi. "Dort sind bereits Termine ausgemacht. Vor allem in Abu Dhabi gibt es keine Finanzkrise", sagt er.

Dachdecken, Ideen ausbrüten — und diese dann umsetzen. Das sind die Hauptbeschäftigungen des 47-Jährigen. Für Sport oder Reisen bleibt da keine Zeit. Auch nicht zum Faulenzen. Und was sagt seine Frau zu den abgedrehten Ideen? "Nein, bitte nicht schon wieder", bekomme ich manchmal zu hören, und meine Frau sitzt dann senkrecht im Bett", räumt Jülich ein.

(RP)