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Kaarst: Ein Mann kämpft für Haiti

Kaarst : Ein Mann kämpft für Haiti

Es sollte ein unbekümmerter Urlaub werden, aber er erschütterte sein Leben: 1981 sah Unternehmer Peter Hesse die Armut in Haiti, bettelnde Kinder ohne Hoffnung. Mit seiner Stiftung engagiert er sich seither für den Bau von Vorschulen und die Ausbildung von Lehrerinnen.

Peter Hesse erinnert sich noch sehr genau an diesen einen Tag, der sein Leben für immer verändern sollte. Es war der 1. Januar 1981: Der Familienunternehmer spazierte durch die Straßen Port-au-Princes auf Haiti. "Es war mein erster Urlaub auf der Insel, und ich wollte ein paar unbekümmerte Tage verbringen, mich von der Kultur inspirieren lassen." Als zwei Männer ihn ansprechen, weiß der Unternehmer, der lange Zeit in Büttgen gelebt hat, instinktiv, dass das keine gewöhnlichen Bettler sind. "Sie erzählten mir von den schlimmen Verhältnissen in einem Waisenhaus, und ich ging mit ihnen. Es war ein Schockerlebnis, zu sehen, in welch ärmlichen und unwürdigen Verhältnissen die Kinder lebten." Hesse schenkt dem Waisenhaus ein Großteil seiner Reisekasse und fliegt zurück nach Deutschland.

Doch die Eindrücke lassen den Familienunternehmer auch zu Hause nicht los. Er will helfen, vor allem den Kindern, die in dem Karibikstaat in Armut leben und keine Chance auf Bildung und damit auf eine bessere Zukunft haben. Als Unternehmer, sagt Hesse, glaubte er "jeweils ganz dezidiert die richtige Lösung zu wissen". Und so schenkt er bedürftigen Familien Nähmaschinen, die mit dem Fuß und ohne Strom betrieben werden können, denn Elektrizität gibt es auf der Insel zu der Zeit kaum. Sie sollen Kleidung nähen und ihren Unterhalt damit verdienen. Doch die Familien verkaufen die Maschinen. Hesses erster Versuch zu helfen und etwas zu verändern, schlägt fehl. Mit diesem Scheitern beginnt für Hesse, der auch in Paris wohnt, zugleich ein wichtiger Lernprozess. "Ich setzte mich zu den Menschen im Dorf, setzte mich mit ihnen unter den Baum, und wir redeten, und vor allem hörte ich ihnen zu – und schenkte die Nähmaschinen schließlich Menschen, deren Aufgabe es war, andere im Umgang damit zu schulen. Das funktionierte." 31 Jahre später kann Peter Hesse auf eine beeindruckende humanitäre Leistung in dem karibischen Inselstaat blicken. Mit seiner Stiftung "Solidarität in Partnerschaft für EINE Welt in Vielfalt", 1983 gegründet, unterstützt er den Bau von Montessori-Vorschulen für sozial benachteiligte Kinder, damit sie positive Grundwerte und Grundfähigkeiten lernen für ein zukünftiges, selbstständiges Leben. Herzstück der Stiftungsarbeit ist die Ausbildung von Montessori-Vorschullehrerinnen, ein Modell, das von der Weltbank gelobt wird. "Hilfe zur Selbsthilfe ist das Wichtigste", sagt Hesse. Mehr als 800 Studentinnen haben die Ausbildung seither erfolgreich absolviert, viele von ihnen lehren inzwischen.

Doch das Erdbeben von 2010 bedeutet für Peter Hesse und seine Projektpartner vor Ort einen großen Rückschlag. Vier Vorschulen und das Ausbildungszentrum für die Lehrerinnen in Port-au-Prince werden zerstört. "Was die Menschen seither durchmachen, ist viel schlimmer, als das, was wir an Problemen zu bewältigen haben", sagt Hesse. Mit den finanziellen Mitteln der Stiftung sei der Wiederaufbau in dem Tempo, das notwendig sei, kaum zu schaffen. Eine Million Euro hat Hesse bisher aus eigenen Mitteln für die Förderprojekte in Haiti aufgebracht. Hilfe vom deutschen Staat bekomme er kaum noch. Dennoch wird bald ein neues Lehrerausbildungszentrum mit Ausbildungs- und Schlafhäusern in Liancourt auf Haiti eröffnet. Dank Spendern.

(NGZ)