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Kaarst: Ein "König" wird 100 Jahre alt

Kaarst : Ein "König" wird 100 Jahre alt

1964 war Zahnarzt Heinz Drössler erster "Scheiben Schützen"-König in Kaarst. Seit 2005 lebt er im Johanniter-Stift. Heute feiert der rüstige Senior Geburtstag. Am Samstag gibt es ihm zu Ehren einen Großen Zapfenstreich.

Er wurde am 15. Februar 1911 in Leipzig geboren: 1962 kam Heinz Drössler nach Kaarst. Heute ab 15 Uhr ist jeder im Johanniter-Stift als Gratulant willkommen, der sich dem erstaunlich rüstigen Senior verbunden fühlt. Rosel Brand, Leiterin des Johanniter-Stifts, kann sich nicht erinnern, dass in ihrem Haus jemals ein 100 Jahre alter Mensch so fit und dem Leben zugewandt war: "Er tut allen hier im Haus gut, Dr. Drössler ist ein richtiger Vorzeige-Senior, der den anderen Mut macht."

Der Charmeur, der das Rauchen aufgegeben hat, sich aber noch immer gerne einen Schnaps oder ein Bierchen gönnt, kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken: Er studierte in Leipzig Zahnmedizin, eröffnete 1936 eine eigene Praxis, heiratete ein Jahr später. Zwei weitere Ehen sollten folgen. Seine dritte Ehefrau starb 2002 – mit der Dülkenerin war er mehr als drei Jahrzehnte lang glücklich. Gelegentlichen Kontakt hat Drössler nur noch zu seiner Tochter, Jahrgang 1939, und seiner Enkelin, die als Neurologin an der Berliner Charité arbeitet. Der Kontakt zu den beiden Söhnen ist abgebrochen. 1956 – Drössler lebte und arbeitete damals in Mönchengladbach – bat man ihn, Karnevalsprinz zu werden. "Ich konnte tanzen und frei reden, mehr brauchte man nicht", erinnert sich der 100-Jährige.

1962 zog er nach Kaarst. An der Neusser Straße eröffnete er seine Praxis, im selben Haus bezog er eine Wohnung. Den Bohrer legte er erst im Alter von 77 Jahren aus der Hand. In Kaarst war der Senior Mitbegründer der "Scheiben Schützen", 1964 hieß der erste "Scheiben Schützen"-König Heinz Drössler. Seit 2005 lebt er nun schon im Johanniter-Stift und hat die individuelle Lebensführung trotzdem nicht aufgegeben. So beackert er einen Garten, beklagt die Arthrose im Kniegelenk, die er auf seine vierjährige Zeit in Russland zurückführt. Nein, Kartoffeln werde er in diesem Jahr keine mehr anbauen.

Für den begeisterten Skat-Spieler und Schützen, der immer noch in die Uniform aus den 60er Jahren passt, wird heute eine Geburtstagsfeier organisiert, wie es sie im Johanniter-Stift wohl noch nie gegeben hat. Die Frauen der Scheibenschützen backen Kuchen, im Garten wird ein Zelt aufgebaut. Und am kommenden Samstag um 17 Uhr wird es beim Großen Zapfenstreich noch einmal so richtig festlich zugehen.

(NGZ)