1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Freund auf vier Hufen: Ein Herz und eine Seele

Freund auf vier Hufen : Ein Herz und eine Seele

Seit neun Jahren kümmert sich Katharina Busch um den Wallach Easy Going. Zuerst war das Pferd scheu und brach schnell in Panik aus. Mittlerweile vertraut es seiner neuen Besitzerin und traut sich sogar auf den Spring-Parcours.

Büttgen Sobald Easy Going die Schritte von Katharina Busch in dem langen Gang des Stalls hört, hebt der der Rheinländer Wallach den Kopf aus seinem kleinen Fenster und streckt ihn der jungen Frau entgegen. Er weiß genau: Gleich ist meine beste Freundin bei mir. So steht er jeden Tag in einer Box auf dem Reitergut Haller in Büttgen und wartet geduldig. "Das war längst nicht immer so", erzählt die leidenschaftliche Reiterin. "Als ich angefangen habe, ihn zu pflegen, war er sehr ängstlich und hatte überhaupt kein Vertrauen zu Menschen. Sein damaliger Besitzer hatte keine Zeit mehr für ihn und daraufhin haben ganz viele Leute sich an ihm versucht, doch niemand war so richtig für ihn da. Das hat sein Vertrauen gänzlich erschüttert." Es war längst nicht alles so "easy going" — es ging nicht so leicht, wie man vom Namen des Pferdes vermuten könnte, und das forderte von Katharina vollen Einsatz: "Ich habe mich dann ganz intensiv um ihn gekümmert, aber die simpelsten Dinge wie das Putzen oder im Sommer das Abduschen waren für Easy Gründe, in Panik auszubrechen."

Durch die intensive Pflege der 21-Jährigen, ist eine ganz besondere Verbindung zwischen den beiden entstanden. Deshalb hat Katharina gemeinsam mit ihren Eltern vor zwei Jahren entschieden, das Pferd zu kaufen. "Man kann sich eigentlich kaum vorstellen, dass so ein großes Pferd nicht auch innerlich so groß und stark ist", sagt Katharina, die bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Reiten anfing. "Aber Easy ist so ein Seelchen und ganz lieb", erzählt sie. "Vom Charakter ist er mir sehr ähnlich. Er ist eher zurückhaltend und nicht ganz so mutig. Aber wenn er erstmal Vertrauen gefasst hat und erkennt, dass man ihm nichts Böses will, ist alles gut."

Katharina Busch, die eine Ausbildung zur Bankkauffrau macht, ist, wenn es sich einrichten lässt, jeden Tag mindestens drei Stunden bei ihrem Liebling. Dann gehen sie zusammen spazieren oder reiten bei gutem Wetter aus. Dadurch, dass sie mit bereits 13 Jahren ihr erstes eigenes Pferd hatte und davor schon mit Reitbeteiligungen "geübt" hat, wie es ist, sich um ein Pferd zu kümmern, verfügt sie über große Erfahrung im Umgang mit Pferden. "Ich habe damals mit Springreiten angefangen und hab auch ein paar Turniere geritten. Leider konnte ich das nicht weiterführen, weil mein Pferd damals krank wurde", erzählt Katharina.

Mit Easy Going will sie noch einmal einen Versuch wagen — allerdings nur in Maßen. "Easy ist schon 20 Jahre alt, das ist in Menschenjahren etwas zwischen 70 und 80 Jahren. Ich erwarte nicht, dass er springt wie ein junges Fohlen. Ich springe ab und zu einfach zum Spaß mit ihm ein wenig und gucke mal, wie er sich so macht. Die Hauptsache ist, dass er sich wohl fühlt."

Am besten gefällt es dem Wallach, wenn er auf der Weide ist und sich austoben kann oder mit Katharina ausreitet. "Das ist mit Easy überhaupt kein Problem mehr. Wir vertrauen uns blind und können uns 100-prozentig aufeinander verlassen", erzählt Katharina.

(NGZ)