Kaarst: Ein Dreiklang fürs Leben

Kaarst: Ein Dreiklang fürs Leben

Vorst Drei Lebensläufe, ein Lebenswerk. Ein österreichischer Dreiklang, der in Graz seinen Ursprung nahm und in einer Wohnanlage der Ruhe und Harmonie an der Straße Linning im niederrheinischen Vorst immer noch hör- und erlebbar ist. "Die Freundschaft hat bis auf den Tag gehalten" strahlt Robert Walter (79), der soeben aus dem Süden zurückgekehrt ist. Er war Gast der Goldhochzeit seines Weggefährten Erich Moser (77). Dritter im Bunde ist Fritz Eller (80), der inzwischen in Aachen zu Hause ist.

Vorst Drei Lebensläufe, ein Lebenswerk. Ein österreichischer Dreiklang, der in Graz seinen Ursprung nahm und in einer Wohnanlage der Ruhe und Harmonie an der Straße Linning im niederrheinischen Vorst immer noch hör- und erlebbar ist. "Die Freundschaft hat bis auf den Tag gehalten" strahlt Robert Walter (79), der soeben aus dem Süden zurückgekehrt ist. Er war Gast der Goldhochzeit seines Weggefährten Erich Moser (77). Dritter im Bunde ist Fritz Eller (80), der inzwischen in Aachen zu Hause ist.

Die räumliche Nähe zerbrach. Die Nähe im Denken nicht. Eller, Moser und Walter stehen als Namensgeber und Markenzeichen für ein Büro, dessen Architekten und Ingenieure Geschichte schrieben. In Deutschland und darüberhinaus. Mit unzähligen Projekten setzten sie städtebauliche Ausrufezeichen, doch der Hinweis auf ein einziges Werk genügt, ein allgemeines Aha auszulösen: das Landtagsgebäude in Düsseldorf (1988). Aha, die sind das!

Ihr Zeichenbrett stand in Düsseldorf an der Cecilienallee, die Welt war ihr Arbeitsfeld, doch die Kraft für ihr nimmermüdes Schaffen holten sie sich in Vorst. Wer das Tor neben der Garagenreihe öffnet, dem erschließt sich die versteckte Oase, geprägt vom alten Baumbestand. Auf dem 3200 Quadratmeter großen Areal stehen drei völlig identische Flachbungalows, Glastüren nach Süden ("Ich kann vom Bett aus die Fasane und Kaninchen beobachten"), keine Keller ("Darum haben wir keine Sorgen mit dem Grundwasser") und vor allem kubisch-geomatrische Formen. Das große Quardrat (2,26 Meter mal 2,26 Meter) bestimmt die Architektur der Häsuer. Le Corbusier lässt grüßen.

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Ihre Wohnanlage bezogen die drei Freunde 1962 mit ihren Frauen und wunderten sich später über eine weitere Gemeinsamkeit: Drei Familien freuten sich alle über jeweils vier Kinder. Das Haus ist Privatsache; das Gelände mit Schwimmbad, Liegewiese und Grillecke ist Gemeinschaftsanlage. Wohnen als Lebensphilosophie, die auch einen Hauch der 68er-Generation verströmt. "Das funktioniert bis heute", versichert Walter, der die Gemeinkosten ausrechnet, "ideell und finanziell."

Walter lebt seit 45 Jahren in dem Idyll, das Moser und Eller später aus beruflichen Gründen verließen. Ihre beiden Nachfolger, darunter Max Maier, der auch im Büro Mitinhaber wurde, leben das Konzept bis heute. Gesellschaftlich hielten sich die bekannten Architekten in Kaarst zurück, pflegten aber die gute Nachbarschaft in Vorst. "Peter Weifels war ein toller Mann", sagt Robert Walter, "und mein Freund." Das große Bild des knochigen Landwirts hängt in seiner Wohnung. Erinnert an den toten Freund.

Fritz Eller, Robert Walter und Erich Moser studierten an der Technischen Universität in Graz. Ein beruflicher Start in der Schweiz scheiterte an der fehlenden Aufenthaltserlaubnis. Das war 1953. Im Nachkriegs-Deutschland aber gab es viel Aufzubauen und junge Kreative wurden gesucht. So kam das Trio nach Düsseldorf. Arbeit fanden die drei Österreicher als freie Mitarbeiter und später in Partnerschaft für das angesehene Düsseldorfer Büro von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg, ehe sie sich 1963 als EMW Eller Moser Walter selbständig machten. Sie gewinnen Wettbewerbe und Preise, viele Projekte im (Hoch-)Schulbau werden verwirklicht, auch Museen entstehen. In Kaarst das Albert-Einstein-Gymnasium, das Rathaus in Büttgen und das Pfarrzentrum in Vorst.

(NGZ)
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