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Kaarst: Ein Auto wie aus einem Hollywood-Film

Kaarst : Ein Auto wie aus einem Hollywood-Film

Zehn Jahre lang rollte das im Jahr 1975 gebaute Corniche Cabrio der Familie Wesemüller auf den Straßen Kaliforniens. Vor sieben Jahren kaufte der Kaarster Hans-Willi Wesemüller den Oldtimer und fährt nun mit ihm aus.

Die Marke Rolls Royce steht mehr als jede andere für Luxus pur. Und dennoch kommt sie immer auch mit ein wenig britischem Understatement einher. Angaben zu Höchstgeschwindigkeit oder Verbrauch werden stets nur mit "ausreichend" oder "angemessen" gemacht. Natürlich sind die Werte nicht bescheiden. Unter der Haube des Corniche Cabrios der Familie Wesemüller stecken weit über 200 PS, und der Verbrauch von 33 Liter des teuersten Super-Benzins ist auch nichts für klamme Geldbeutel. Demgegenüber steht das besondere Fahrgefühl.

"Der Wagen ist ein rollendes Wohnzimmer. Man sitzt darin wie auf dem Sofa", sagt Hans-Willi Wesemüller. Ledersitze, unter seinen Füßen Teppichboden, die Verkleidung aus Wurzelholz — alles gediegen und handverarbeitet. Dazu öffnet sich nicht nur das Verdeck elektrisch, auch die Sitze verschieben sich, und die Antenne fährt aus. All dies war schon im Baujahr 1975 möglich. Jede Seitenscheibe wird von zwei Motoren betrieben. Der erste lässt immer einen Spalt von fünf Zentimetern offen. "Dadurch ist weniger Druck im Auto und die Türen lassen sich leichter schließen", erklärt Wesemüller. Aber wer lässt seinen Wagen mit offenen Fenstern draußen stehen? Niemand. "Wer parkt denn normalerweise einen Rolls Royce im öffentlichen Raum? Es wird natürlich erwartet, dass man einen Chauffeur hat", sagt sein Besitzer. Und so setzt sich der 65-Jährige inzwischen auch gerne neben seiner Tochter Barbara Wesemüller auf den Beifahrersitz und lässt sich chauffieren.

Der 30-Jährigen fällt es nicht schwer, den 2,3 Tonnen schweren Koloss zu lenken. "Die Lenkung ist einfacher als jede Servo. Und da er damals schon mit einer Automatik ausgestattet wurde, muss man auch nicht schalten", sagt sie. Bei schönem Wetter fährt sie die weiße Corniche gerne aus. Mal geht es einfach nur zum Kaffeetrinken, mal holt sie damit Brautpaare vom Standesamt oder der Kirche ab.

Vom Rolls Royce Corniche Cabriolet wurden zwischen 1971 und 1987 lediglich 3239 Stück gebaut. Die linksgelenkten Wagen wurden häufig in die USA verkauft. "In Hollywoodfilmen fahren die Millionäre oft eine Corniche", erzählt Hans-Willi Wesemüller. Auch seine rollte von 1980 bis 1990 über den Straßen Kaliforniens. Vor sieben Jahren erwarb er das weiße Prunkstück, dessen prägnanter Kühlergrill ihn an das Brandenburger Tor erinnert. Er nennt seinen Oldtimer liebevoll "Emily", wie die Kühlerfigur "Spirit of Ecstasy" auch oft genannt wird. Der 65-Jährige fuhr zuvor bereits einen VW Käfer (Baujahr 1967), NSU TT und einen alten Porsche 911.

Als Kfz-Sachverständiger mit Qualifizierung für Oldtimer-Bewertungen weiß er, worauf zu achten ist: Originalität, Vollständigkeit der Bauteile und Ausstattung, kein Rost an Unterboden und Karosserie. "Wenn man den Wagen im Winter abdeckt, sollte er ganz trocken sein, denn sonst modert die Inneneinrichtung", rät Wesemüller. So kann ein Oldie jährliche Wertsteigerungen von bis zu zehn Prozent erlangen.

(NGZ)