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Kaarst: Dünger belastet Kaarster Grundwasser

Kaarst : Dünger belastet Kaarster Grundwasser

95 privat genutzten Brunnen hat Diplom-Physiker Harald Gülzow im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen.

Achtung, giftig: Wer in Büttgen, Vorst oder Driesch wohnt und — zum Beispiel — seinen Kaffee öfters mal mit Wasser aus dem eigenen, privaten Brunnen kocht, könnte irgendwann gesundheitliche Probleme bekommen. Müdigkeit, Herzklopfen und Erbrechen sind häufige Symptome einer Nitratintoxikation. Diplom-Physiker Harald Gülzow vom Verein "VSR-Gewässerschutz" untersucht regelmäßig das Grundwasser. In den vergangenen 13 Monaten hat er das Wasser aus insgesamt 95 privat genutzten Brunnen im Raum Kaarst unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: In 30 Prozent der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Trinkwasser-Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm pro Liter.

191 Milligramm Nitrat pro Liter fanden die Mitglieder des VSR bei ihren Messungen in einem privat genutzten Brunnen in Vorst. Weitere sehr hohe Nitratwerte stellten die Gewässerschützer aber auch in Driesch mit 116 Milligramm pro Liter und in Büttgen mit 118 Milligramm fest. "Bei einer so starken Belastung ist das Wasser nicht mehr zum Trinken geeignet", warnt Harald Gülzow. "Ein Schluck schadet selbstverständlich nicht, aber regelmäßig sollte das niemand zu sich nehmen. Hinzu kommt, dass es beim Bewässern im Garten auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen kann."

Neben den gesundheitlichen Aspekten der Grundwasserbelastung weist der Naturwissenschaftler auch auf die ökologischen hin. Das mit Nitraten belastet Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann über den Rhein weiter zur Nordsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung. "Was dort im Großen auffällt, können viele Gartenteichbesitzer im Kleinen beobachten", sagt Gülzow. "Sobald das belastete Grundwasser in ein stehendes Gewässer geleitet wird, führt es dort schon bei 25 Milligramm pro Liter zu einem enormen Algen- und Pflanzenwachstum. In fast zwei Drittel der untersuchten Brunnen wurde dieser ökologischen Wert schon überschritten. Die Nitratauswaschung ins Grundwasser steigt an, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, der Gärreste aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel sind, die auf den Feldern ausgebracht werden."

Gründe für die hohen Nitratwerte im Kaarster Stadtgebiet gibt es selbstverständlich. Während der Einsatz mineralischer Düngemittel zusätzliche Kosten verursacht, sieht es bei Gülle und Gärresten anders aus. "Die Agrarindustrie steht vor dem Problem, dass über das ganze Jahr über zu viel von diesen stickstoffhaltigen Düngern ,produziert' wird", sagt Gülzow. Der VSR fordere deshalb, dass nicht nur Höchstmengen eingehalten werden müssen, sondern auch, dass außerhalb der Zeiten, in denen Pflanzen den Dünger benötigen, nicht gedüngt werden darf. Ein anderes Problem sieht der Verein speziell bei Maisfeldern, denn — die Maispflanze lässt sich von Überdüngungen nicht am Wachstum hindern. "Von Maisfeldern", sagt Gülzow, "geht daher eine extrem hohe Nitratauswaschung ins Grundwasser aus." Der "VSR-Gewässerschutz" berät Brunnenbesitzer immer freitagvormittags unter 02831 976523. Info: www.VSR-Gewaesserschutz.de.

(NGZ/rl)