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Vier junge Künstler stellen ihre Arbeiten aus: Drohbrief-Bilder und rußige Menschen-Stelen

Vier junge Künstler stellen ihre Arbeiten aus : Drohbrief-Bilder und rußige Menschen-Stelen

Mayumi Okabayashi, Patrick Lemke, Jems R. Koko Bi und Arno Bojak sind junge Künstler, die zuletzt an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert haben und zum Teil Meisterschüler sind. Sie zeigen bis zum 13. Februar ihre ebenso unterschiedlichen wie durchweg bemerkenswerten Arbeiten unter dem Motto "Einsichten - Aussichten" in der Städtischen Galerie im Rathaus Büttgen.

Nein, langweilig ist diese Ausstellung ganz und gar nicht. Hier präsentieren sich vier zwar junge, aber offenbar starke Künstler-Persönlichkeiten. Beim Blick in den Saal weiß das Auge des Betrachters nicht so recht, wohin es schauen soll. Ein starker Reiz: "Diaspora" von Jems R. Koko Bi. Der 34-jährige Künstler, Meisterschüler bei Professor Klaus Rinke, hatte bereits sechs Jahre lang in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, Kunst studiert. Seine Herkunft spiegelt sich in seinen Werken wider. "Diaspora" besteht aus sechs Menschen-Stelen aus mit Russ überzogenem Pappelholz eines einzigen Baumstammes.

Lediglich die Köpfe wurden ausgearbeitet - sie werden mit 94 weiteren Figuren an die "Rückkehr der Kinder von Gorée" erinnern und damit an die Sklavenzeit, die mit dem Namen dieser zum Senegal gehörenden Insel eng verknüpft ist. Das Boot vor dem Rathaus-Eingang aus Eichenholz ist an sich ein Symbol für Freiheit und Abenteuer. Wenn da nicht die extrem massiven Eisenketten wären, die es durchdringen und somit unbrauchbar machen. Als Sessel der besonderen Art ist das Objekt von Mayumi Okabayashi zu gebrauchen. Die 27-jährige Japanerin aus der Rinke-Klasse hat aus Bienenwachs-farbenem Polyester zwei an Strandkörbe erinnernde Gebilde geschaffen und sie auf sehr raffinierte Weise mit transparenten, zum Teil aufgeblasenen Schutzhandschuhen ausstaffiert, die wie Stalagmiten in einer Höhle wirken.

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"Sie werden sich umarmt fühlen von der Kunst", versprach die Düsseldorfer Kunsthistorikerin Dr. Helga Meister in ihrer informativen Eröffnungsrede. Nur weniger spektakulär: Die "Finger" aus Kunstharz, die ein Tasteninstrument zu bedienen scheinen und die mit ihren fein geschwungenen Linien den Eindruck von Harmonie vermitteln. Um Körper und Seele geht es bei den sehr farbharmonischen, skurrilen Aquarellen.

Das Chaos ist auf etlichen Bildern von Patrick Lemke ausgebrochen. Der 28-Jährige, erst seit wenigen Tagen Meisterschüler von Markus Lüpertz, zeigt sich auf seinen recht kleinformatigen Bildern explosiv und experimentierfreudig. Aggressives Rot wechselt mit dem Grün-Blau von Landschaften, ein Lichtermeer, Strudel von Feuer und Farben und immer wieder geometrische Formen, Linien und Rahmen wollen vom Betrachter entdeckt werden. Aus der Vogelperspektive wird Einblick in Puppenhaus-artige Intimsphären geboten, Räume erscheinen in einer konstruierten, kalkulierten, einer anderen Realität.

Dr. Helga Meister stellte bei der Vernissage Arno Bojak als den "Schelm" in diesem Quartett vor. Der 26-Jährige - zunächst Student bei Markus Lüpertz, später bei Dieter Krieg - zeigt Klebestreifen, die gar keine sind, sondern Malerei. In seinen konstruierten Räumen sind Details mit diesen Streifen wie an einer Pinnwand befestigt. Auf einer großformatigen Arbeit ist auf einem vielschichtigen, rosafarbenen Grund im Wesentlichen ein Akt zu sehen, der auf den ersten Blick aus Klebe-Kreppband zusammengeklebt worden ist. Ganz so wie im Freitagabend-Krimi schuf Arno Bojak außerdem "Drohbrief-Bilder", bei denen gemalte Buchstaben-Schnipsel dominieren. Insgesamt eine Ausstellung, die das Prädikat "unbedingt sehenswert" verdient hat. barni