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Kaarst: Die Standesbeamtin

Kaarst : Die Standesbeamtin

Seit gut 20 Jahren lassen sich Paare in Kaarst von Angelika Vahle trauen. Meistens hat es die 56-Jährige mit fröhlichen Menschen zu tun. Manchmal allerdings kann ihr Job aber auch richtig traurig sein.

Der Hochzeitstag – für viele Menschen ist er der schönste im Leben. Als Standesbeamtin ist Angelika Vahle seit 20 Jahren für den offiziellen Part zuständig. "Standesbeamtin ist einer der schönsten Berufe, die man sich vorstellen kann", schwärmt die 56-Jährige. "Wo hat man sonst oft mit so vielen fröhlichen Menschen zu tun?"

Hochzeit zu Hause

Vahle ist bereits seit 1969 bei der Stadt Kaarst angestellt. "Ich habe eine ganz normale Lehre zur Verwaltungsfachangestellten gemacht und bin danach ins Ordnungsamt zur Meldebehörde gekommen. Im Standesamt bin ich jetzt seit mehr als 25 Jahren", erzählt sie. Nach einer Zusatzausbildung an einer Fachakademie wurde Vahle 1990 als Standesbeamtin bestellt. "Man muss in den Job rein wachsen und seine Abläufe kennenlernen, das geht nicht von heute auf morgen", sagt sie. "Vor allem muss man vor vielen Leuten sprechen können, sonst ist man verloren."

Als Standesbeamtin ist die 56-Jährige allerdings nicht nur für Trauungen zuständig: "80 Prozent unserer Arbeit sind ganz andere Aufgaben", sagt sie. Dazu gehören Einbürgerungen und das Personenstandswesen, also Geburten, Sterbefälle und Namensänderungen, die das Amt beurkunden muss. Das Besondere am Beruf des Standesbeamten ist die fachliche Weisungsgebundenheit. "Das heißt, dass ich nur vom Amtsgericht Düsseldorf unterwiesen werden kann, beispielsweise dann, wenn jemand mit einer Beurkundung von mir ein Problem hat", erklärt Vahle.

Nichtsdestotrotz – Trauungen sind der 56-Jährigen am liebsten. Auch, wenn es manchmal auch schwierige Situationen gibt. "Drei- bis viermal im Jahr gibt es Haustrauungen, bei denen wir zu einem Paar nach Hause gehen, wo ein Partner sehr schwer krank ist und man manchmal nicht weiß, wie lange er noch zu leben hat", erzählt die Standesbeamtin. "Das ist schon sehr schwer, weil man natürlich versucht, eine fröhliche Stimmung zu verbreiten und auf der anderen Seite den Menschen auch ansieht, wie es ihnen geht. Da geht man oft mit einer Gänsehaut zurück ins Büro." Aber auch bei standesamtlichen Hochzeiten von sehr glücklichen Paaren sei es oft nicht leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren: Weil es immer weniger kirchliche Trauungen gebe, komme der standesamtlichen Hochzeit immer mehr Bedeutung zu, berichtet Vahle. "Da sind die Leute ganz kreativ. Viele kommen in wunderschönen Brautkleidern und es werden Rosenblätter von der Empore gestreut oder ein Sänger schmettert das Ave Maria. Da sitze ich auch mit einem Kloß im Hals an meinem Tisch."

(NGZ)