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Kaarst: Die Sprache der Windmühlen

Kaarst : Die Sprache der Windmühlen

Zum Mühlentag am Pfingstmontag können Besucher in der Büttgener Braunsmühle hinter die Kulissen schauen. Die NGZ erklärt vorab, welche Bedeutung die unterschiedlichen Stellungen der Mühlenflügel haben.

Zum Deutschen Mühlentag werden sich auch die Flügel der Braunsmühle drehen. Vorausgesetzt, an Pfingstmontag herrscht keine Windstille. Bei den Führungen über die fünf Etagen der Mühle können sich die Besucher die Technik und die Arbeit des Müllers erklären lassen. Aber es lohnen sich auch Nachfragen zu den vier Flügeln. Die sorgen nicht allein für den Antrieb des Mahlwerks, sie haben auch ihre eigene Sprache.

Die Botschaften der Flügel gelten auch für die Zonser Mühle: 1 Feierabend; 2 Bauern sollen Korn anliefern; 3 nicht betriebsbereit; 4 Protest gegen Obrigkeit; 5 Gefahr; 6 Feiertag; 7 Familienfeier; 8 Trauerfall; 9 Mühlsteine werden geschliffen. Foto: Braunsmühle

Die Flügel bleiben nicht willkürlich stehen, wenn der Müller die Bremse zieht. Es gibt neun verschiedene Stellungen in der Mühlensprache. Die meisten haben konkrete Aussagen zum Betrieb der Mühle. Ein gerades Kreuz ohne Segel bedeutet: Feierabend für den Müller (Nr.1). Sind die Flügel in gleicher Stellung halb besegelt, steht keine Arbeit an und Kunden werden sofort bedient (Nr. 2). Eine weitere Stellung zeigt, dass der Mühlstein derzeit geschliffen wird (Nr. 9).

Gewinkeltes Kreuz: außer Betrieb

Jeder Flügel besteht aus zwei Ruten. "Die gegenüberliegenden Flügel werden immer gleich besegelt, damit keine Unruhe in die Umdrehung zu bekommen", sagt Heinrich Pusch, Werkleiter der Braunsmühle und Gründungsmitglied der Fördergemeinschaft. Während der Restauration der Mühle lernte er nicht nur alles über die Technik, sondern auch über das Müllerdasein und seine Geschichte. Wochentags stehen die Flügel unbesegelt in einem gewinkelten Kreuz, das heißt, sie ist außer Betrieb (Nr. 3). Früher konnte dies bedeuten, dass Reparaturen vorgenommen werden oder der Müller im Urlaub ist. In der gleichen Stellung halb besegelt erhebt der Bürger Protest gegen die Obrigkeit (Nr. 4). Sind dagegen nur zwei Ruten besegelt, wird vor einer drohenden Gefahr (Nr. 5) gewarnt.

Weil die Windmühle nach der Kirche meist das höchste Gebäude in der Landschaft war, konnten die Mühlensprache auch weite Entfernung "gelesen" werden. Geschmückte Flügel in gleicher Stellung (Nr. 6) bedeuteten: Feiertag. Anlässe innerhalb der Familie wurden ebenfalls über die Flügel kundgetan, sei es zu einer freudigen Feier (Nr. 7) oder einen Trauerfall (Nr. 8).

Geschmückte Flügel: Feiertag

Die Fördergemeinschaft Braunsmühle nutzt die Freudenstellung, wenn Kinder in den Familien der Vereinsmitglieder geboren wurden. "Wenn das jemand an der Mühle sieht, klingeln sofort bei den anderen die Telefone und es wird weitererzählt", sagt Heinrich Pusch. Passierte bei einer Beerdigung der Trauerzug die Mühle, drehten sich die Flügel in dem Moment mit der Gesellschaft, als sie an ihr vorbeizog. Als der langjährige Weggefährte des Fördergemeinschaft, Hans Reuter aus den Niederlanden, im Jahr 2010 starb, zeigte die Braunsmühle eine Woche lang die Trauerschere.

(NGZ)