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Kaarst: "Die Piraten sehe ich nicht im Bundestag"

Kaarst : "Die Piraten sehe ich nicht im Bundestag"

Beim "Dialog Zukunft" der VHS Kaarst-Korschenbroich wird der ehemalige Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg aus seinem Buch "Mutproben" lesen und mit dem Publikum diskutieren. Die NGZ hat vorab mit dem 57-Jährigen gesprochen.

Kaarst Ole von Beust war von 2001 bis 2010 Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg. In seiner Autobiografie "Mutproben: Ein Plädoyer für Ehrlichkeit und Konsequenz" wirft der bald 58-Jährige einen persönlichen Rückblick bis in seine Kindheit und geht mit seiner eigenen Partei, der CDU, überraschend kritisch ins Gericht. Beim "Dialog Zukunft" der VHS Kaarst-Korschenbroich am 23. April wird er daraus lesen und mit dem Publikum diskutieren. Die NGZ sprach vorab mit ihm.

Herr von Beust, mit Ihrem Rücktritt als Erster Bürgermeister von Hamburg haben Sie sich aus der großen Politik zurückgezogen. Wie genießen Sie Ihre neu gewonnene Freiheit und Freizeit?

Ole von Beust Politik als Beruf ist faszinierend, aber die Einschränkungen sind enorm. Auch wenn ich jetzt viel arbeite, bleiben die Wochenenden weitgehend von Terminen verschont, auch die abendlichen Verpflichtungen halten sich gegenüber früher in Grenzen. Noch wichtiger ist die innere Freiheit: Ich kann weitgehend selbst entscheiden, was ich wie mache, und stehe nicht mehr unter öffentlichem Druck.

Ihre Autobiografie trägt den Titel "Mutprobe": An welchen Stellen fehlen die Risikobereitschaft und klaren Bekenntnisse der Politiker heute?

Von Beust Ob es einen Unterschied von heute zu früher gibt, weiß ich nicht. Aber Entscheidungen werden oft nicht nach den Fragen "Was ist gut oder schlecht?" und "Was entspricht meiner Überzeugung?" gefällt, sondern danach, wie sie vermutlich ankommen werden.

Was war Ihre persönlich wichtigste oder prägendste Erfahrung als Politiker?

Von Beust Meine persönliche Erfahrung ist die, dass persönliche Akzeptanz nicht ausmacht, wie man sich entscheidet, sondern ob man authentisch, fair und anständig ist.

Ihre Einschätzung zur bevorstehenden Bundestagswahl: Wie schneidet "Ihre" CDU ab, schafft die FDP die Fünf-Prozent-Hürde, kommen die Piraten in den Bundestag?

Von Beust Ich bin kein Prophet, zumal Wahlentscheidungen immer kurzfristiger entschieden werden. Das Kapital der CDU ist vor allem das große Ansehen der Bundeskanzlerin. Dass die FDP über fünf Prozent kommt, davon bin ich überzeugt. Dass es für Schwarz-Gelb oder Rot-Grün reichen wird, sehe ich im Moment nicht. Die Piraten haben nur als Protestpartei eine Chance. Es mag zwar eine Proteststimmung in Sachen Euro wachsen, die wird aber inhaltlich nicht von den Piraten aufgefangen, daher sehe ich keine fünf Prozent dort.

In den deutschen Großstädten regieren meist Bürgermeister der SPD. Sie waren in Hamburg schon eine Ausnahme. Ist die CDU womöglich zu konservativ für die Wähler dort?

Von Beust Die Union argumentiert in bestimmten Themen an der Wirklichkeit in den Großstädten vorbei: Betreuungsgeld, Aspekte der Integration oder Gleichstellung von schwulen Lebenspartnerschaften sind dafür leider symptomatisch. Das hat mit konservativ nicht unbedingt etwas zu tun. Geänderte Lebenswirklichkeiten werden zu spät erkannt.

Stefan Reinelt stellte die Fragen.

(stef)