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Kaarst: Die letzten Zivis im Bebop

Kaarst : Die letzten Zivis im Bebop

Im Kaarster Jugendzentrum wie auch im Aldegundis-Pflegeheim haben Zivildienstleistende bislang immer eine wichtige Rolle gespielt. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht endet jetzt auch der Zivildienst – und das ist ein Problem.

Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht endet im Sommer auch der Zivildienst. Seit seiner Einführung vor 50 Jahren hat er sich in sozialen Einrichtungen als fester Bestandteil des Arbeitsalltags etabliert. Diese Stellen müssen nun anders besetzt werden. Mit geringfügig Beschäftigten – das wäre eine Möglichkeit, doch ein sogenannter 400-Euro-Job deckt die Vollzeitanstellung eines Zivis nicht ab. Deshalb setzen die Betroffenen ihre Hoffnung in den neuen Bundesfreiwilligendienst.

Im Jugendzentrum Bebop herrschte in den vergangenen Tage Hochbetrieb. Mehr als 70 Kinder waren täglich beim Ferienprogramm zu Gast. Fest eingespannt sind dabei auch die beiden Zivildienstleistenden Julian Boland und Tim Breitenauer. "Ich bin für Hausmeisteraufgaben eingeplant, kümmere mich unter anderem um den Garten", sagt Julian Boland. Aber er unterstützt auch die Gruppenarbeit und ist im Ferienprogramm als Spielgefährte für die Kinder unverzichtbar. "Die Zivis waren immer ein fester Bestandteil des Bebops und ein wichtiger Faktor für unsere Arbeit", sagt Leiter Kenneth Schultze. Julian und Tim haben ihren Dienst freiwillig von sechs auf neun Monate verlängert. Ansonsten wären sie jetzt schon nicht mehr da. Die zwei ab Juli offenen Stellen möchte Schultze über den Bundesfreiwilligendienst besetzen. Bisher liegt eine Bewerbung vor. "Ich habe festgestellt, dass die Möglichkeit des Bundesfreiwilligendiensts vielen Jugendlichen gar nicht bewusst ist. Sie wissen überhaupt nicht, was er beinhaltet", sagt Schultze. Schultze ist deshalb in die Offensive gegangen, hat am benachbarten Albert-Einstein-Gymnasium einen Vortrag zum Thema gehalten. Im Oberstufencafé des Jugendtreffs werden die Besucher direkt darauf angesprochen.

Abwarten will auch Heinz-Werner Vetten, Leiter des Aldegundis-Heims in Büttgen. "Wir beschäftigten bisher immer fünf Zivildienstleistende. Davon sind jetzt noch zwei übrig, einer von ihnen hat seinen Dienst freiwillig bis September verlängert." In der Pflege der Bewohner wurden die jungen Erwachsenen nicht eingesetzt. "Unsere Sorge ist der Fahrdienst", so der Heimleiter. Die Jugendlichen fahren die Bewohner zum Arzt oder kümmern sich um Einkäufe. Ein konkretes Konzept, den Verlust der Zivis aufzufangen, wurde im Aldegundis-Heim noch nicht endgültig aufgestellt. "Es gibt eine Anfrage für den Bundesfreiwilligendienst. Ich bin noch optimistisch, dass die Stellen darüber wieder besetzt werden können", sagt Vetten.

(NGZ)