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Kaarst: Die Familienhilfe will weiter wachsen

Kaarst : Die Familienhilfe will weiter wachsen

Ein paar Vorbehalte gibt es immer. Auch, wenn sie hinter vorgehaltener Hand geäußert werden und obwohl das "Kinderheim" und seine Bewohner in Büttgen schon lange dazugehören. Irgendjemand runzelt dann doch die Stirn. "Die wollen anbauen? Wieso? Warum? Und wer zieht denn da ein?" Burghard Asche, Geschäftsführer der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe, kennt die reflexhaften Bedenken, die in Zusammenhang mit der Arbeit seines Unternehmens entstehen. Am Ende werden sie meistens durch Informationen zerstreut.

Die Familienhilfe, die im Rheinland, am Niederrhein und im Ruhrgebiet aktiv ist und ihren Sitz in Büttgen hat, unterstützt Kinder, Jugendliche und deren Familien in familiären Notsituationen — mit dezentralen, eigenverantwortlich arbeitenden Abteilungen und großem Erfolg. Mit ihren Angeboten, das sind in erster Linie Wohngruppen, flexible Erziehungshilfen und Tagesgruppen, gehört sie zu den größten Trägern von Jugendhilfeeinrichtungen im gesamten Rheinland. In Kaarst ist sie mit 620 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Räumlich will sich die Familienhilfe jetzt vergrößern. In Büttgen, an der Sebatianusstraße, soll ein Anbau entstehen, an der Straße Am Bauhof, auf dem Gelände des ehemaligen Klärwerks, möchte Burghard Asche ein bestehendes Wohnhaus beziehen. Dort, im Kaarster Westen, sagt Asche, sollen in erster Linie die Ambulanten Dienste untergebracht werden. Bislang arbeiten diese von einer in Kaarst-Mitte gelegenen Wohnung aus. "Mittlerweile ist es so, dass unsere Mitarbeiter größtenteils von sich aus die Familien aufsuchen, nicht umgekehrt. Und — der Kaarster Westen könnte, was die Sozialstruktur betrifft, künftig ein potenzielles Aufgabenfeld sein." Abgesehen davon, sagt Asche, ergebe auch eine Kooperation mit dem neuen Kindergarten am Vorster Wald einen Sinn. Die Planung einer weiteren Wohngruppe sei zunächst zurückgestellt.

Vor Ort präsent zu sein, ohne laut aufzutreten und dabei im Kleinen zu gucken, was die gesellschaftlichen Aufgaben sind — das, sagen Asche und seine Mitarbeiterin Gabriele Katthagen, sei das Konzept der Jugend- und Familienhilfe. Und das wiederum setze eine gewisse Flexibilität bei der Planung eines Neubaus voraus. "Heute", sagt Katthagen, "sind es vielleicht junge Mütter mit Kindern, die wir unterbringen müssen, morgen womöglich mehr kleine Kinder im Geschwisterverbund, die vorübergehend aus den Familien geholt werden." Eine geänderte Gesetzeslage verändere in der Regel auch den Blick.

An der Sebastianusstraße soll jetzt ein "Riegelanbau" entstehen — mit einem zur Straße gewandten, gut zugänglichen Verwaltungstrackt für den Bereich "Bildung und Erziehung", zu dem zum Beispiel die "Frühen Hilfen" gehören. "Niederschwellig" ist das Stichwort, das in diesem Zusammenhang die wichtigste Rolle spielt. Im hinteren Bereich des Grundstücks, auf der "Obstwiese", ist ein weiteres Wohnhaus geplant. "Wir wissen ja, dass es von dort aus etwas lauter werden kann", sagt Asche. "Wir sprechen hier wohlgemerkt nicht von einer Pädagogischen Ambulanz."

(NGZ/ac)